Seit über einer Woche liegt in Thüringen die 7-Tage-Inzidenz über dem Wert 1000. Damit ist das Land bundesweit an zweiter Stelle – lediglich Sachsen hat mehr Corona-Fälle zu beklagen. Obwohl die Maßnahmen in Thüringen zu den schärfsten in Deutschland gehören, reicht das dem Landkreis Nordhausen im Norden den Freistaats nicht aus. Der dortige Landrat, Matthias Jendricke (SPD), will am 17. Dezember den Katastrophenfall ausrufen.
  • Katastrophenfall in Thüringen: Was bedeutet das?
  • Wie ist die Lage in Nordhausen im Thüringen-Vergleich?
  • Könnten auch andere Kreise oder Städte den Katastrophenfall ausrufen?

Katastrophenfall in Thüringen: Was bedeutet das?

Schon seit einer Woche überlegt das Innenministerium in Thüringen, ob der Katastrophenfall ausgerufen werden sollte. Einige Stimmen, wie beispielsweise aus der CDU-Fraktion, fordern das schon seit längerem, weil die Belastungsgrenze der Kliniken schon überschritten ist.
Der Landkreis Nordhausen will aber nicht länger warten. Am 17. Dezember plant Landrat Jendricke die Ausrufung der Katastrophe. Damit ist es ihm möglich, weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu ergreifen. Wie der MDR berichtet würden das folgende sein:
  • Vorziehen der Weihnachtsferien: Schülerinnen und Schüler sollen in Nordhausen bereits ab 20. Dezember zu hause bleiben (anstatt erst ab 23. Dezember).
  • Krankenwagen können nicht mehr ohne Weiteres Kliniken in Nordhausen anfahren, sondern müssten zuerst bei der Leitstelle fragen, ob das möglich ist. Damit würden nur noch (Corona-)Notfälle aufgenommen werden.

Landkreis Nordhausen: Wie schlimm ist es im Vergleich?

Im Vergleich mit anderen Landkreisen in Thüringen kommt Nordhausen noch ganz gut weg. Am 9. Dezember liegt die Inzidenz bei 609. In sechs Landkreisen liegt die Inzidenz über 1000 - das sind die Landkreise Hildburghausen, Saalfeld-Rudolstadt, Saale-Orla-Kreis, Gotha, Saale-Holzland-Kreis und der Ilm-Kreis.
Auch in Sachen Intensivbetten ist die Lage in Nordhausen zwar schlimm, aber nicht so schlimm wie anderswo in Thüringen. Der Kreis hat 52 Intensivbetten zur Verfügung, wovon 39 belegt sind, 13 davon von Corona-Patienten. Im Ilm-Kreis, wo die Lage am angespanntesten auf der Intensivstation ist, sind 16 von 17 ITS-Betten belegt, 12 davon mit Corona-Patienten. In Schmalkalden-Meiningen sind alle 42 Intensivbetten voll – 19 davon mit Covid-Pateinten.
Die Impfquote in Nordhausen liegt bei 66,7 Prozent. Die besten Quoten im Land haben die Städte Erfurt (74 Prozent) und Weimar (72 Prozent). Die niedrigste Impfquote in Thüringen hat Hildburghausen mit 48,5 Prozent.

Katastrophenfall ausrufen: Erfurt und Jena sind auch besorgt

Theoretisch könnten andere Landkreise dem Vorbild Nordhausen folgen und ebenfalls den Katastrophenfall ausrufen. Wie der MDR berichtet hat der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt, Andreas Bausewein (SPD), ebenfalls angedeutet, den Katastrophenfall ausrufen zu wollen. Im Vergleich zum Landrat Jendricke hat Bausewein aber kein Datum für die Ausrufung genannt.
In Jena hat Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) beklagt, dass das Land die Weihnachtsferien nicht vorziehen will. In seiner Stadt sei ein normaler Schulbetrieb kaum mehr möglich. Er forderte, zumindest die Präsenzpflicht im Freistaat aufzuheben.