Knapp eine Woche nach dem Attentat in Georgia sorgt ein neuer Schusswaffenangriff in den USA für Entsetzen: Der Täter erschoss am Montag in einem Supermarkt in der Stadt Boulder im Bundesstaat Colorado mindestens zehn Menschen, wie die Polizei mitteilte. Unter den Opfern sei auch ein Polizeibeamter. Der mutmaßliche Schütze wurde festgenommen. Die Demokraten bekräftigten ihre Forderung nach einer Verschärfung des Waffenrechts.
Unter den Opfern sei auch der Beamte Eric Talley, sagte die Chefin der Polizei in Boulder, Maris Herold. Er sei als erster Polizist am Tatort eingetroffen, nachdem Schüsse aus dem Supermarkt gemeldet worden seien. Herold lobte den "heldenhaften" Einsatz des erschossen Polizisten. Details zu den anderen Todesopfern nannte die Polizei nicht. Der mutmaßliche Angreifer wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft festgenommen.

Polizei rechnet mit komplexen Ermittlungen

Der Täter hatte am Nachmittag in einem Supermarkt in der rund 50 Kilometer nordwestlich von Denver gelegenen Stadt Boulder das Feuer eröffnet. Augenzeugen berichteten, sie hätten mehrere Schüsse gehört und seien dann durch den Hinterausgang aus dem Supermarkt geflüchtet. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an. Dutzende gepanzerte Fahrzeuge, Rettungswagen und Spezialkräfte waren am Tatort zu sehen.
Livebilder vom Tatort zeigten, wie die Beamten einen am Bein blutenden Mann in Handschellen abführten. Die Polizei machte aber zunächst keine Angaben dazu, ob es sich bei ihm um den festgenommenen Verdächtigen handelte. Polizeichefin Herold sagte, sie rechne mit "sehr komplexen Ermittlungen", die sich über mehrere Tage ziehen werden.

Vor einer Woche wurden acht Menschen in Georgia erschossen

US-Präsident Joe Biden sei über die Geschehnisse in Boulder auf dem Laufenden gehalten worden, schrieb seine Sprecherin Jen Psaki im Onlinedienst Twitter. Colorados Gouverneur Jared Polis sprach von einer "sinnlosen Tragödie". Auch Boulders Bürgermeister Sam Weaver äußerte sich erschüttert über die Gewalttat.
Erst in der vergangenen Woche hatten tödliche Angriffe auf drei Massagestudios im Bundesstaat Georgia die USA erschüttert. Acht Menschen wurden erschossen, unter ihnen sechs Frauen asiatischer Herkunft.

US-Präsident Joe Biden ist für eine Verschärfung des Waffenrechts

Biden hatte sich im Februar für eine Verschärfung des Waffenrechts ausgesprochen. „Diese Regierung wird nicht die nächste Massenschießerei abwarten, bis sie diese Forderung beherzigt“, sagte er. Er appellierte an den Kongress, eine "vernünftige" Waffenreform auf den Weg zu bringen. Der Präsident forderte Hintergrundüberprüfungen „für alle Waffenverkäufe“ und ein Verbot von Sturmgewehren und Magazinen mit hoher Kapazität.
Die „Seuche der Schusswaffengewalt“ müsse gestoppt werden, sagte am Montag der Vorsitzende der Demokraten im Senat, Chuck Schumer. Der Senat müsse und werde entsprechende Gesetze auf den Weg bringen.
In Colorado hatten sich in den vergangenen Jahrzehnten zwei der schlimmsten Schusswaffenangriffe der jüngeren US-Geschichte ereignet. An der Columbine High School in Littleton hatten zwei Jugendliche im April 1999 zwölf Mitschüler und einen Lehrer erschossen. Danach begingen sie Suizid. Im Juni 2012 eröffnete ein 24-jähriger Mann in einem Kino in der Stadt Aurora das Feuer und tötete zwölf Menschen. Der Amokläufer wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt.