Mit unbewegtem Gesicht las er in der „Aktuellen Kamera“ die Nachrichten vom Blatt. Heute findet der einstige Sprecher in der Haupt-Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens Klaus Feldmann bei der Corona-Berichterstattung zu viel Deprimierendes. „Aber es gehört doch auch dazu, mal zu betonen, wie viele Menschen genesen sind.“
Seine Generation sei noch durch den Krieg geprägt, habe vieles durchgemacht und sei dadurch „ein bisschen härter“, sagt der Ex-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Jetzt wird er 85 - mit Corona-Impfung.
Der gelernte Buchdrucker, der in Berlin lebt, war von 1961 bis 1989 eines der Gesichter in der „Aktuellen Kamera“. Nachrichten verfolgen und sich informieren - das sei nach wie vor wichtig für ihn, betont Feldmann.
Er wolle keine Noten verteilen, aber von heutigen Sprechern gefalle ihm ARD-Nachrichtenmann Thorsten Schröder am besten. Der wirke sachlich, neutral und zeige kein Mienenspiel. Der Zuschauer könne sich so eher eine eigene Meinung bilden.

„Staatstrompeten“ beim DDR-Rundfunk

Gerade beim DDR-Rundfunk habe es auch „Staatstrompeten“ gegeben, die hätten Meldungen über den Sozialismus so gesprochen, als würde eine rote Fahne gleich mit auf den Tisch gestellt, meint Feldmann im Rückblick. Er habe versucht, sich eine „gewisse Neutralität“ zu bewahren.
Bis zum September 1989 arbeitete Feldmann als Sprecher beim DDR-Fernsehen. Nach dem Mauerfall war er in der Pressestelle einer Gewerkschaft sowie Sprecher bei lokalen Fernsehsendern in Brandenburg.
Zu früheren Sprecher-Kollegen habe er nur wenig Kontakt, sagt Feldmann. „Die wollen meist mit der Zeit nichts mehr zu tun haben, wollen nicht erinnert werden.“
Doch im brandenburgischen Königs Wusterhausen gebe es im Sender- und Funktechnikmuseum auch eine Ausstellung zum DDR-Fernsehen. „Wir hatten die erste Kamerafrau Deutschlands“, erzählt Feldmann. Vor Corona habe er dort regelmäßig Besucher betreut. „Ich geh auch wieder hin“, hofft er auf eine Zeit nach der Pandemie.

Klaus Feldmann will kein neues Buch mehr schreiben

Ein neues Buch wolle er nicht mehr schreiben, sagt der Sprecher mit der ruhigen Stimme im Telefon-Interview. „Da hab ich keine Ambitionen mehr.“ Zuletzt hatte Feldmann 2016 mit „Verhörte Hörer“ Anekdoten über Kollegen aus Rundfunk und Fernsehen und sich selbst zusammengetragen, die im Sozialismus eigentlich nie passieren sollten.
So sorgten die „demokratische Hodenreform“, „bunte Transparente und Bruchbänder“ oder das „Pilotbüro der SED“ für Lacher. Dass solche Versprecher bei Zuhörern und Zuschauern in der DDR oft als Komik ankamen, sei aber nur eine Seite gewesen. Etliche Kollegen hätten ständig Angst gehabt, dass ihnen der Zungensalat politisch negativ ausgelegt wird, schrieb Feldmann.
Und eine Nachricht über Erich Honecker habe immer an erster Stelle verlesen werden müssen - aber nicht ohne Titel: Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und Vorsitzender des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik. In jeder Sendung hätten sich die DDR-Bürger mehrmals erklären lassen müssen, wer Honecker sei, hatte Feldmann im Buch notiert.

Klaus Feldmann schaut nicht pausenlos in sich hinein

Derzeit sei er auch oft im Internet unterwegs, mache sich schlau und schaue nach Buch-Kritiken. Auch seinen Kindern habe er immer gesagt: Man kann Allgemeinwissen nicht in der Schule bekommen, dafür muss man selbst sorgen. Früher mehr mit Papier-Lexika, heute mehr mit Suchmaschinen.
Seine Familie, Frau, Kinder und Enkelkinder halten ihn jung, wie Feldmann versichert. Es sei immer etwas los.
„Mir geht es ganz gut, ich habe zwar ein paar Zipperlein, die beachte ich aber nicht groß, die sind nicht lebensgefährlich“, so der einstige Nachrichten-Profi nach überstandenen Krankheiten. „Ich guck nicht pausenlos in mich hinein.“