"Das wird ihre Bewährungsprobe", sagt Außenexperte Elliot Abrams vom Council of Foreign Relations in New York über Clintons Reise. Abrams sieht die Ministerin auf internationaler Bühne als "Schlüsselfigur", denn ohne Mitwirkung der USA wird es keine Lösung jener Probleme geben, die sich während der Amtszeit von George W. Bush angehäuft haben. Clinton kann mit einem überaus freundlichen Empfang in Europa rechnen, wo die Hoffnung auf Aufbruch groß ist - die Last der ungelösten Probleme freilich auch. Beginnen wird ihre Reise am Montag auf der Geberkonferenz im ägyptischen Scharm el Scheich, wo die Weltgemeinschaft über Aufbauhilfen für den Gazastreifen berät. Von dort reist sie weiter nach Israel und in die Palästinensergebiete. Am Donnerstag trifft Clinton dann in Brüssel die Nato-Außenminister, danach steht in Genf ihre erste Begegnung mit dem russischen Ressortchef Sergej Lawrow an. Letzte Station soll die Türkei sein. Eine Ansammlung von Problemen erwartet Clinton auf der anderen Seite des Atlantiks: Die USA wollen den Afghanistan-Einsatz stärken und erwarten mehr Mithilfe der Europäer. Die Diskussion um eine Aufnahme Georgiens und der Ukraine in die Nato verärgert nicht nur den Kreml, sondern spaltet auch die Nato. Das Verhältnis der USA zu Russland sank nach dem Georgien-Krieg 2008 auf einen Tiefpunkt. Die umstrittenen US-Pläne zur Raketenabwehr sind noch nicht vom Tisch, und der Atomstreit mit dem Iran ist ungelöst. In Washington überwiegt die Hoffnung, dass mit dem Regierungswechsel eine neue Ära der transatlantischen Zusammenarbeit anbricht. "Wir sind an einem großen strategischen Augenblick angekommen", sagte Julian Lindley-French von der britischen Verteidigungsakdemie. Er sieht die Chance für einen Durchbruch bei der Neugestaltung der Beziehungen. "Das erste Jahr der Regierung Obama wird dabei enorm wichtig sein: Wenn es dann keine Fortschritte gibt, wird es Stillstand wie unter Bush geben." Die Bewährungsprobe für die Bereitschaft zum Aufeinanderzugehen könnte kommen, wenn der Nato-Gipfel über den Fortgang des Afghanistan-Einsatzes entscheiden muss, sagt der frühere Nato-Botschafter der USA, Robert E. Hunter.