"Letztlich ist es die Bestimmung der religiösen Tradition, sich nicht an die wechselnden politischen Moden anzupassen", schrieb William Joseph Levada (68) in der Zeitung "The Catholic Sentinal". Damit stellt sich der neue Präfekt der Glaubenskongregation klar in eine Linie mit dem gestorbenen Papst Johannes Paul II. und dessen Nachfolger Benedikt XVI.: Die Grundsätze der katholischen Moral sind unantastbar.
Kompromisslos und offensiv hat Levada stets die Vatikan-Linie in der Abtreibungsfrage vertreten. In einem Artikel im "Catholic Sentinal" schrieb er 1995: "Die amerikanische Gesellschaft könnte in einer Kultur des Todes nicht überleben und sie sollte es auch nicht." Ebenso klar äußert Levada sich zur Todesstrafe. Nach der Hinrichtung eines Mörders in Kalifornien sagte Levada im Januar, man müsse sich fragen, ob Hinrichtungen nicht selbst zu einer Kultur des Todes beitrügen.
Papst Benedikt kennt Levada bestens. Der Amerikaner hatte schon Ende der 70er-Jahre für die Glaubenskongregation gearbeitet und war seit 2002 Mitglied des Zirkels unter der Führung des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger. Anfang Mai war Levada einer der ersten, der eine Privataudienz beim neuen Papst bekam. Dem "Catholic News Service" sagte er anschließend: "Ich finde ihn strahlend. Ich hoffe, das ist die Gnade des Heiligen Geistes in ihm und mit ihm."
Der Nachfahre brasilianischer und irischer Einwanderer ist ein Vatikan-Insider. Er schloss sein Studium an der vatikanischen Eliteuniversität Gregoriana in Rom mit Auszeichnung ab. In seiner steilen Karriere lehrte er an Universitäten in den USA und Italien Theologie. Vor zehn Jahren berief ihn Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von San Francisco. San Francisco, Mekka für Homosexuelle aus aller Welt, war kein einfaches Pflaster für den konservativen Erzbischof. Er habe den heiklen Dialog mit der liberalen Stadtverwaltung über die Rechte Homosexueller nie gescheut, hebt die Erzdiözese hervor. Levada war zudem Vizepräsident des Anglikanisch-Katholischen Dialogforums. (dpa/roe)