Die Verhandlungen in der Großstadt Cochabamba südöstlich von La Paz wurden vom ersten Indio-Präsidenten des südamerikanischen Landes, Evo Morales, und seinem Stellvertreter Alvaro García Linera gestern offiziell für eröffnet erklärt. Bei Unruhen waren in der vergangenen Woche mindestens 20 Menschen getötet worden. Für die Opposition sagte der Präfekt der oppositionellen Region Santa Cruz, Rubén Costas, Ziel sei ein "Pakt der nationalen Einheit". Die Menschen wollten Sicherheit. "Wir sind gekommen, damit das Land wieder bessere Tage sieht", fügte Costas hinzu. Zugleich sagte er zu, die Forderung der Regierung nach Räumung aller der in den fünf aufständischen Departements besetzten Behörden des Zentralstaates zu erfüllen. Bei den Verhandlungen sollen sich Arbeitsgruppen mit Fragen der Verteilung von Steuern aus der Erdgas- und Erdölförderung, mit der Zukunft des Verfassungsprojekts, den Autonomiestatuten der Regionen und der Besetzung vakanter Posten wie etwa den Richtern des Obersten Gerichtshofes befassen, teilte Vizepräsident Alvaro García Linera mit. Damit stand indirekt auch die Zukunft des von Morales betriebenen Reformprojekts zur Disposition. Der Reformentwurf sieht die Umverteilung von Wohlstand aus den wirtschaftlich erfolgreicheren Regionen im Osten und Süden des Landes zugunsten der überwiegend verarmten Indio-Mehrheit im westlichen Hochland vor. Die Opposition in den wohlhabenderen Regionen wehrt sich dagegen erbittert. Derweil marschierten Tausende Anhänger von Morales, überwiegend Indios, weiter auf die Stadt Santa Cruz im Südwesten des Landes, die Hochburg der Regierungsgegner, zu. Sie verlangten die Räumung der von Anhängern der Autonomiebewegung besetzten und verwüsteten Regierungsgebäude sowie die Absetzung von Costas. In Santa Cruz, dem wirtschaftlichen Zentrum des Landes, ist für heute der Beginn der Messe Expocruz geplant. Die Indios blockierten fast alle Zufahrtsstraßen zu der Stadt. Am Montag hatten sich die Präsidenten der Nachbarländer Boliviens bei einem Krisengipfel in der chilenischen Hauptstadt Santiago eindeutig hinter Morales gestellt und die Opposition vor der weiteren Missachtung der legitimen Regierung gewarnt. Zugleich hatten die Mitgliedsländer des Staatenbundes Union der Südamerikanischen Nationen (Unasur) ihre Dienste als Vermittler in dem Konflikt zugesagt. dpa/ab