Und möglicherweise muss der ZDF-Moderator vor Gericht. Ein Strafverfahren wird im Auswärtigen Amt aber kritisch gesehen. "Wir sind skeptisch, ob das Strafrecht der richtige Weg sein kann", verlautete am Dienstag aus dem Umfeld von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die Türkei verlangt strafrechtliche Konsequenzen gegen Böhmermann wegen seines "Schmähgedichts" über Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

Die Bundesregierung prüft, ob sie die Staatsanwaltschaft ermächtigt, den ZDF-Satiriker wegen Beleidigung eines Staatsoberhaupts zu verfolgen. Erdogan hat zudem als Privatperson einen Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. "Von einer Hängepartie hat niemand etwas", hieß es aus dem Außenministerium. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte am Montag gesagt, die Prüfung werde ein paar Tage, aber nicht Wochen dauern. Für eine Strafverfolgung ist in Fällen der möglichen Beleidigung von Organen oder Vertretern ausländischer Staaten laut Strafgesetzbuch eine entsprechende Ermächtigung vonseiten der Bundesregierung nötig.

Grimmepreisträger Böhmermann hatte das Gedicht in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" vom 31. März vorgelesen. Es handelt unter anderem von Sex mit Tieren, Kinderpornografie und transportiert Klischees über Türken. Damit wollte er nach eigener Darstellung den Unterschied zwischen in Deutschland erlaubter Satire und verbotener Schmähkritik deutlich machen, erläuterte er in seiner Sendung.