Von Christian Taubert

Den Pfingstverkehr auf den Autobahnen der Lausitz haben die Baustellenplaner noch abgewartet:  Jetzt aber nimmt Gestalt an, was zu Jahresbeginn angekündigt wurde. Bautrupps rücken dem sogenannten Betonkrebs auf den Autobahnen 13 und 15 zwischen der polnischen Grenze, Cottbus und Berlin zu Leibe. Vor allem von Pendlern wird bis Ende August und in den September hinein viel Geduld abverlangt. Denn gleich auf fünf Autobahnabschnitten wird es Tempolimit und Fahrbahneinengungen geben. Es muss mehr Zeit zum und vom Arbeitsplatz jenseits der Lausitz eingeplant werden.

 Schon am Dienstag nach Pfingsten hat der Landesbetrieb Straßenwesen mit der Einrichtung der Baustelle zwischen den Anschlussstellen Groß Köris und Barth begonnen. Bis  Mitte August wird hier eine Asphaltschicht über den defekten Beton gezogen. Wie Bauüberwacher Thomas Mattuschka vom Landesbetrieb Straßenwesen der RUNDSCHAU erläutert, wird diese Methode an vier der fünf Betonkrebs-Abschnitten angewandt. Dass es erneut zur Blasenbildung im Asphalt kommen könnte, wie es vor gut sieben Jahren auch auf der A 15 bei Cottbus der Fall war - diese Gefahr sei inzwischen weitgehend ausgeschlossen worden. Heute werde eine Dichtungsschicht zwischen Beton und Asphalt eingezogen, sagt Mattuschka und fügt hinzu, dass das manuelle Aufbohren der Asphaltblasen wohl der Vergangenheit angehört.

 Während die Sanierung mit einer Asphaltschicht schneller geht und deshalb öfter angewandt wird, „haben wir uns für die fast fünf Kilometer zwischen Freiwalde und Duben dagegen für das komplette Auswechseln des Betons entschieden“, verweist Mattuschka auf die an dieser Stelle besonders schadhafte Fahrbahndecke. Da die Richtungsfahrbahn nach Cottbus in diesem Abschnitt in Kürze komplett gesperrt werden müsse (siehe Grafik), wird es auf der Gegenfahrbahn mit vier Spuren eng. „Da werden besondere Konzentration und Vorsicht von den Autofahrern verlangt. Aber wir wollen, dass der Verkehr auf jeweils zwei Fahrspuren rollen kann“, erklärt der Autobahnexperte.         

 Für die kurzzeitige Sanierung der schadhaften Stellen sind die Autobahnmeistereien zuständig. Der Leiter der Autobahnmeisterei Gallinchen, Gerald Jahn, hatte zuletzt in der RUNDSCHAU seine Hoffnung ausgedrückt, „dass wir in diesem Jahr zwei Tempo-80-Zonen auf der A 15 endlich wieder freigeben können.“ Jahn weiß aber auch, dass es noch viele Verjüngungskuren geben muss, um den gegenwärtigen Flickenteppich im Land mit den Tempobegrenzungen zu beseitigen.

Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) hatte im April im Landtag darauf verwiesen, dass  aktuell rund 130 Kilometer Richtungsfahrbahnen im Land sicher von Betonkrebs betroffen seien. Bei weiteren 120 Kilometern bestehe ein Verdacht. Ein Großteil der Schäden werde in den kommenden Jahren beseitigt. Bauarbeiten über 2030 hinaus beträfen Strecken, die jetzt provisorisch repariert und dann ohnehin grundsätzlich erneuert würden. Der etwa zehn  Kilometer lange A 15-Abschnitt zwischen Boblitz und Vetschau, so Thomas Mattuschka, falle allerdings nicht darunter. Er soll ab September in Angriff genommen werden - mit einer Komplettsperrung der Richtungsfahrbahn nach Cottbus.

Um die Abwicklung der gegenwärtig fünf Bauabschnitte im Süden überhaupt parallel zu bewerkstelligen, erhält Bauüberwacher Mattuschka vom nicht gerade üppig besetzten Landesamt Unterstützung von Autobahnmeistereien - wie der in Gallinchen. Im Landtag hatte der Verkehrsexperte der oppositionellen CDU Rainer Genilke denn auch die Landesregierung ermahnt, das „miserable  Baustellenmanagement“ zu verbessern. Der Bund habe zudem deutlich gemacht, dass eine Beschleunigung von Baustellen zum Beispiel durch Arbeiten in mehreren Schichten nur tagsüber möglich sei. „Wir kriegen nicht nur keinen Flughafen fertig, sondern auch nicht die Autobahnen“, sagte Genilke.

Die Cottbuser SPD-Abgeordnete Kerstin Kircheis erinnerte dagegen daran, dass Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) Anfang der 1990er-Jahre  den Weg zu blühenden Landschaften schnell ebnen wollte – „zu schnell“, fügte sie hinzu. Schon damals habe es Hinweise gegeben, dass die Betonmischung nicht haltbar sein werde. Jetzt belaufe sich der Schaden durch Betonkrebs im Osten zusammengerechnet auf rund eine Milliarde Euro.