Sandra Kiriasis kann es kaum erwarten, ihren neuen Bob zu sehen. Dazu ist sie nach Groß Döbbern (Spree-Neiße) zu Familie Niedergesäß gefahren. Markus Niedergesäß hat dem Bob in Airbrushtechnik ein besonderes Gesicht gegeben. Und er ist mindestens genauso aufgeregt wie Sandra, denn er hofft, dass er auch diesmal ihren Geschmack getroffen hat.

Als sie die Abdeckung vom Bob nimmt, laufen ihr Tränen der Freude und der Rührung über die Wangen. "Richtig geil. Wahnsinn. Das wird unser Schnuckelchen", schwärmt die erfolgreiche Wintersportlerin.

Das Aussehen ihres Bobs spielt für sie eine wichtige Rolle. "Das ist so, als wenn ich in mein Wohnzimmer gehe." Ihr Bob ist für sie nichts Anonymes, er bekommt immer einen Namen, und sie redet auch mit ihm. "Wie bei einem Kind gehe ich mit der Namenswahl lange schwanger", erklärt Sandra Kiriasis. Diesmal wird er "Iwanuschka" heißen - als Referenz an den Austragungsort der Olympischen Spiele im russischen Sotschi. Mit dem Namen Iwanuschka verbindet die Sportlerin das russische Märchen von dem kleinen Jungen, der auf seinem Kachelofen sitzt, dann im Winterwald seine Abenteuer erlebt und Spuren im Schnee hinterlässt. So ein schneller heißer Ofen soll auch der Olympia-Bob sein.

Ihren größten Erfolg feierte Sandra Kiriasis mit dem Bob "Nimbus 2006" bei den Olympischen Spielen in Turin, wo sie Gold holte. Auch dieser flinke Besen aus der Harry-Potter-Saga trug die Handschrift der Firma Niedergesäß.

Damals hatte Margit Niedergesäß den Hauptanteil an der Gestaltung. Sie hat sich in den letzten Jahren mehr der Buchhaltung in der Firma angenommen und die kreative Airbrushgestaltung an ihren Sohn Markus weitergegeben. Für den letzten Bob von Sandra Kiriasis hat sie den Pinsel noch einmal in die Hand genommen und eine kleine Matrjoschka in den Innenraum gezaubert. Doch überwiegend trägt das Design des Bobs die Handschrift von Markus Niedergesäß. Er wirkt auf den ersten Blick schlicht. Auf der schwarzen Außenhaut mit den gold-roten Streifen fangen bei Sonnen- oder Flutlicht die kleinen Eiskristalle an zu funkeln, die sonst kaum zu sehen sind. Im Innenraum - sozusagen dem Privatbereich der Pilotin - weht in 3-D-Optik die Deutschlandfahne, die in eine russische Fahne übergeht.

Die Matrjoschka trägt auf ihrem Bauch den stilisierten Eiskanal von Sotschi. "Ich finde es schön, wenn es auch auf den zweiten und dritten Blick noch etwas Neues zu entdecken gibt", erklärt Markus Niedergesäß seine Arbeitsweise. Durch verschiedene Querelen im Vorfeld hatte er nur eineinhalb Wochen Zeit für die Grundlackierung und das Airbrushen. "Ich habe kaum geschlafen, aber ich habe es gern für Sandra getan", sagt er. Die ganze Familie wird bei den Olympischen Spielen mit der Bobpilotin mitfiebern, zumal es ihre letzte Saison ist. Die ehemalige Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin im Zweierbob will es der Konkurrenz noch einmal zeigen. "Ich fahre nicht mit, um den Bus vollzumachen", stellt sie ihre Ambitionen klar. "Wir haben über den Sommer gut gearbeitet. Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und ich will meine bestmögliche Leistung abliefern." Für die Zeit nach der aktiven Laufbahn hat Sandra Kiriasis noch keine konkreten Pläne. "Es wird sicher etwas mit Sport sein. Vielleicht mache ich ja auch einen Airbrushkurs bei Familie Niedergesäß."