In seiner neuen Funktion als US-Sonderbeauftragter für Afghanistan und Pakistan sagte Holbrooke auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor wenigen Tagen, er habe noch nie eine so schwierige Lage wie in dieser Region vorgefunden. Die schlimmsten Befürchtungen des 67-jährigen Diplomaten dürften sich am Mittwoch bestätigt haben: Mit bislang beispiellosen Angriffen verwandelten Selbstmordkommandos der Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul in ein Schlachtfeld - einen Tag vor dem geplanten Besuch Holbrookes. Die Angriffe, die mehr als 25 Todesopfer forderten, sind auch eine Schmach für die afghanische Polizei und Armee. Ihnen war die Aufgabe, die eigene Hauptstadt zu sichern, im vergangenen Jahr von der Internationalen Schutztruppe Isaf übertragen worden. Die Taliban bewiesen nun ein weiteres Mal, dass es der immer schwächeren Regierung von Hamid Karsai nicht einmal gelingt, in unmittelbarer Nähe des Präsidentenpalastes Anschläge zu verhindern. Dabei wurde die Innenstadt Kabuls schon längst zur waffenstarrenden Festung ausgebaut. Die Sicherheitsvorkehrungen konnten die Taliban am Mittwoch nicht abschrecken. Nach Angaben des Innenministeriums griffen fünf von ihnen das Justizministerium an, vier Kämpfern gelang es, in das Gebäude einzudringen. Dort schossen sie um sich und zündeten Handgranaten, dann lieferten sie sich ein Feuergefecht mit Sicherheitskräften. Ein weiterer Attentäter wurde im Bildungsministerium erschossen, bevor er seine Sprengstoffweste zünden konnte. Der siebte Angreifer sprengte sich am Tor der Gefängnisbehörde in die Luft und ermöglichte seinem Komplizen, in dieses Gebäude einzudringen und dort seinen Sprengstoff zu zünden. Alle acht Angreifer wurden getötet. Ziel des "Feindes" sei es gewesen, in die Schlagzeilen zu gelangen und zu zeigen, dass er massenhaft Menschen in Kabul töten könne, sagte der Chef des afghanischen Geheimdienstes NDS, Amerullah Saleh. Genau das ist den Aufständischen gelungen. Trotzdem dürfte auch der Führungsrat der Taliban mit Sorge betrachten, dass die internationale Gemeinschaft und besonders die neue US-Regierung den lange vernachlässigten Problemen in Afghanistan zunehmend ihr Augenmerk schenken. Als eine der Ursachen für das drohende Scheitern der Staatengemeinschaft am Hindukusch gilt, dass der Irak-Krieg wichtige Ressourcen band - es mangelte an Mitteln für den Wiederaufbau, und es fehlte an ausländischen Soldaten in Afghanistan.