Der tödliche Anschlag von Erbil folgt der gleichen perfiden Logik wie schon Dutzende zuvor. Er sollte die Angehörigen von Polizei und Armee treffen, die in den Augen der Extremisten Verräter sind, weil sie die Zusammenarbeit mit dem US-Militär nicht ablehnen. Dass dabei auch Zivilisten sterben, nehmen die Fanatiker in Kauf. Ende Februar hatte ein ähnlicher Anschlag auf Iraker vor einem Krankenhaus in der vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadt Hilla rund 100 Menschenleben gefordert.
"Wir von der Polizei sind doch Nationalisten, deren Ziel es ist, das Volk zu schützen", rief ein Polizist kürzlich nach einem Anschlag in Bagdad verzweifelt. Aus Angst zog er sich eine Gesichtsmaske über, als die Kameras arabischer Fernsehsender zu ihm schwenkten.
Dass ein Selbstmordattentäter diesmal ausgerechnet im kurdischen Erbil zugeschlagen hat, wo es seit dem Blutbad bei einer Parteifeier im Februar 2004 relativ friedlich geblieben war, zeigt nun, dass auch die im Vergleich zum Zentralirak eher ruhigen Kurdenprovinzen im Norden nicht sicher sind. Dem erst einen Tag zuvor vereidigten neuen Innenminister Bajan Solagh kann niemand vorwerfen, dass er das Blutbad nicht verhindern konnte - auch deshalb, weil sich die Kurdenparteien in Sicherheitsfragen weiterhin auf ihre eigenen Kämpfer verlassen. Dennoch ist der Anschlag in der Kurdenstadt ein weiterer Rückschlag für das schiitisch-kurdische Regierungsbündnis in Bagdad.
Nach langem Hick-Hack waren erst am Dienstag die von Ministerpräsident Ibrahim al-Dschafari vorgestellten Minister vereidigt worden. Doch sind noch immer einige Schlüsselressorts unbesetzt. Es heißt, die Abgeordneten der Schiiten-Allianz hätten bisher alle für diese Positionen vorgeschlagenen Sunniten wegen ihrer angeblichen Nähe zum Regime von Ex-Präsident Saddam Hussein abgelehnt. Die Sunniten werfen den Schiiten nun vor, sie wollten die Posten mit "Quoten-Sunniten" besetzen.
Ministerpräsident Al-Dschafari ist es also immer noch nicht gelungen, so etwas wie eine Regierung der nationalen Einheit auf die Beine zu stellen. Doch ohne die Einbindung der gemäßigten Sunniten wird es nach Einschätzung der meisten Beobachter auch keine Erfolge an der Terrorfront geben.