Das geht aus der aktuellen Roten Liste des Bundesamtes für Naturschutz hervor, die in regelmäßigen Abständen das Gefährdungspotenzial in den Lebensstätten von Pflanzen und Tieren dokumentiert.

Unwiderrufliches Sterben
"Es gibt weiterhin leider einen fortschreitenden Verlust der Arten- und Lebensraumvielfalt", klagt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Diese Entwicklung sei nur mit erheblichem Aufwand rückgängig zu machen. "Sterben Tier- und Pflanzenarten aus, ist dies unwiderruflich", so Gabriel. Noch vor 13 Jahren wurden in der Roten Liste nur 68 Prozent der Biotope als gefährdet eingestuft. Der Anteil vollständig vernichteter biologischer Räume hat sich seitdem von 0,2 auf 0,3 Prozent erhöht. Ursache ist neben dem Klimawandel auch der verstärkte Einsatz von Düngemitteln. Darunter leiden besonders blumenreiche Wiesen und Weiden. "Durch die großen Meliorationen, den flächendeckenden Einsatz von Handelsdünger auch im Grünland, das umfangreiche Ausbringen von Gülle oder aber durch Umbruch und Neueinsaat sind diese einstmals typischen Grünlandbiotope vor allem im Flachland fast vollständig verloren gegangen", konstatiert das Bundesamt für Naturschutz. Auch den Kulturlandschaften im Mittelgebirge macht diese Entwicklung zu schaffen. Betroffen sind Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden. Dieser Lebensraum für eine Fülle von Tier- und Pflanzenarten sei nach wie vor "hochgradig gefährdet und aktuell weiter auf dem Rückzug". Die früher weit verbreiteten Streuobstwiesen würden vor allem zugunsten von Intensivplantagen gerodet. "Wenn sich das nicht mehr lohnt, weist man sie als Bauland aus", klagte Gabriel. Viele Tierarten, die in den knorrigen und höhlenreichen Bäumen einen Platz fanden, verlieren dadurch ihren Lebensraum.
Die Rote Liste enthält allerdings nicht nur Hiobsbotschaften. So verzeichnen die Autoren etwa für die Nord- und Ostseeküsten eine Stabilisierung der Bestände von naturnahem Salzgrünland, Dünengebüschen und weiteren Strandbiotopen. Verantwort-lich dafür waren die Ausweisung von insgesamt fünf Nationalparks und damit verbundene Schutzmaßnahmen. Auch durch den ökologischen Landbau ist es gelungen, wenigstens den Rückgang von Gebüschen und bestimmten Heckentypen aufzuhalten. Erste Erfolge im Bereich der Fließgewässer zeigen sich bei der Stabilisierung von Auwäldern und Weidengebüschen. Die Wasserqualität hat sich hier ebenfalls verbessert.

Den Bauern fehlt das Geld
Der Vizepräsident des Bundesamtes für Naturschutz, Rudolf Ley, warnt deshalb vor einer allgemeinen Resignation. Die Instrumente für einen wirksamen Naturschutz seien durchaus vorhanden. Allerdings müssten die Landwirte dafür auch entsprechende Finanzmittel in die Hand bekommen.
Genau daran hapert es, denn die EU hat das bis zum Jahr 2013 reichende Programm zur ländlichen Entwicklung für Deutschland um rund zwei Milliarden auf 7,1 Milliarden Euro reduziert. Die Entscheidung soll 2008 überprüft werden. Gabriel erinnert in diesem Zusammenhang an das Treffen der Umweltminister der G 8-Staaten, die sich vor zwei Wochen dazu verpflichtet hatten, der Erhaltung der biologischen Vielfalt die gleiche globale Bedeutung einzuräumen wie dem Klimaschutz. Dieses Thema wird auch die UN-Naturschutzkonferenz beschäftigen, die im Mai nächsten Jahres in Deutschland stattfindet.