Mit einer Kühltasche, kleinen Plastikbechern und einer Schere zieht sie dann los und sucht Nachschub für ihre Arbeit als Blütenbildnerin. Seit knapp zwei Jahren gestaltet sie aus getrockneten Pflanzen fantasievolle Bilder.
Mit aufmerksamem Blick geht sie über Wiesen, Felder und durch den Wald. Sie entdeckt aber auch schon mal in einem Vorgarten eine Blüte, deren Schönheit sie gern bewahren will. Die Kühltasche braucht sie, damit die zarten Schönheiten nicht verwelken. "Dann kann man sie nicht mehr pressen", sagt die 57-Jährige. Und ergänzt: "Es ist wie eine Sucht." Auch ihren Mann hat sie infiziert: Kauft er seiner Frau Blumen, achtet er auf schöne Blüten zum Pressen.
Blüten, Gräser und Blätter werden seit Generationen gepresst. Wissenschaftler und Forscher hielten so in der Zeit vor der Fotografie im 19. Jahrhundert die Natur fest. Lange war es auch große Mode, interessante Pflanzen zu sammeln und zu trocknen. Auch heute gibt es in aller Welt Liebhaber der gepressten filigranen Schönheiten, die an Ereignisse wie Hochzeiten erinnern.
Bis zur Wende arbeitete die gelernte Gebrauchswerberin in einem Betrieb, der aus Trockenpflanzen Bilder herstellte - meist für den Export. "Blumen sammeln, säen, ernten, pressen und Bilder entwerfen, das war meine Arbeit", sagt Straßberger. Mit der Wende machte der Betrieb dicht, sie ging in den alten Beruf zurück. "Als ich dann arbeitslos wurde, suchte ich nach einem Neuanfang ohne Eigenkapital." "Quasi aus Stroh Gold spinnen", meint Straßberger schmunzelnd.
In ihrem Keller - dort ist es schön trocken für die gepressten Pflanzen - liegen dicke Mappen, säuberlich beschriftet mit Pflanzennamen. Für den Uneingeweihten wirkt es etwas chaotisch. "Aber ein Griff und und da sind die Cosmea-Blüten in tiefblau", beweist sie ihr System. Gänseblümchen, Wiesenplatterbse, Honigklee, Wilde Möhre, Veilchen, Stiefmütterchen, Mittagsblumen, Ver-benen und Dahlien - fast das ganze Alphabet des botanischen Lexikons der einheimischen Fauna ist vertreten. Etwa 100 Pflanzen verarbeitet sie.
Etwa einen Tag dauert es, bis ein Bild aus bunten Blüten, Blättern und Gräsern entsteht. Zuvor wurden sie tagelang gepresst und getrocknet. Wichtige Arbeitsinstrumente sind Pinsel und Leimfässchen. Sorgsam werden die getrockneten Blüten mit der Pinzette arrangiert und dann festgeklebt. "Ist erst der Anfang gemacht, geht es fast wie von selbst", sagt sie. Am liebsten entwirft die Sächsin zarte Blumenmädchen-Gesichter, die sie sich als Geschmacksmuster schützen ließ. Hasenpfötchen als Augen, Mund und Nase aus Grashalmen, dazu Haare aus Stiefmütterchen, Ringelblumen und Waldfarnen. "Kein Gesicht gleicht dem anderen."
Mittlerweile reiche es zum Leben, zieht sie nach zwei Jahren Selbstständigkeit Bilanz. Ihre Kunden kommen aus ganz Deutschland. Die Kalender, Glückwunschkarten und Bilder - entweder Originale oder Drucke - verkauft sie auf Handwerkermärkten oder bei Ausstellungen. Ihr Traum ist ein Buch mit den schönsten Bildern. Zur Vergänglichkeit ihrer kleinen Kunstwerke sagt sie: "Wenn das Bild nicht in der prallen Sonne hängt, bleibt die Farbenpracht Jahre erhalten." www.gesichter-der-natur.de