Peter Hahn spricht von einem steinigen Weg, aber zum Schluss konnten alle Landwirte überzeugt werden. „Das haben wir friedlich und schön hingekriegt“, sagt der EDV-Experte aus dem brandenburgischen Schlalach, der nun auch Windfachmann ist.

Während er spricht, drehen sich die 138 Meter hohen Windräder etwas träge, der graue Himmel ist wolkenverhangen. Da für die Fläche rund 100 Grundstücksbesitzer ins Boot geholt werden mussten, wurde die Idee eines Bürgerwindparks geboren – alle Besitzer bekommen einen Teil der Einnahmen und zusätzlich fällt Geld für das ganze Dorf ab.

Beispiel Schlalach

Schlalach ist nur ein Beispiel, wie gerade in Ostdeutschland die Energiewende vorangetrieben wird. Ein Vorteil ist sicher die oft dünne Besiedlung, vielerorts gibt es auch weniger Proteste als im Westen Deutschlands. Mecklenburg-Vorpommern (2009: 51,8 Prozent), Sachsen-Anhalt (32,2 Prozent) und Thüringen (40,1 Prozent) haben einen Ökoanteil bei der Stromerzeugung, der klar über dem Bundesschnitt von 20 Prozent liegt.

Leitstern für Brandenburg

Brandenburg kam 2009 auf 18,8 Prozent. Das liegt auch daran, dass hier viele Kohlekraftwerke Strom für Berlin produzieren und dies den Ökoanteil dämpft. Das Land gewann schon mehrfach den Leitstern für die bundesweit besten Bemühungen zum Ausbau der Ökoenergien. In dem Bereich arbeiten in Brandenburg mittlerweile mehr Menschen als in der Braunkohleverstromung. Nur Sachsen hinkt mit knapp zehn Prozent Ökoanteil an der Stromproduktion im Osten hinterher.

Und doch sieht die brandenburgische Landesregierung mit Sorge auf den politisch gewollten weiteren Ausbau der Windkraft: Nötig seien weitere 3500 Megawatt Leistung, hatte Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke) im Frühsommer vor der Handwerkskammer Cottbus betont. Zur Verfügung stünden „jedoch nur noch Flächen für 1000 Megawatt Windkraft“. Und angesichts einer zunehmend kritisch eingestellten Bevölkerung werde es immer schwieriger, neue Standorte zu finden, räumte der Minister ein. Außerdem, so Christoffers, müssten für die Energiewende allein in Brandenburg 1000 Kilometer neue 110 kV-Leitungen gebaut werden – mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro.

In Schlalach hingegen ist die Beteiligung der Bürger die Erfolgsformel. Nach der Ausweisung einer Windeignungsfläche durch die Regionale Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming hatten die Bürger die Ausschreibung für einen Windpark selbst in die Hand genommen und einen Arbeitskreis mit 15 Dorfbewohnern gegründet. Man beauftragte die Firma Enercon mit Errichtung und Betrieb des Windparks.

Es gibt 1000 Euro jährlich pro verpachtetem Hektar, insgesamt wurden 320 Hektar Windeignungsfläche benötigt. Die Besitzer, auf deren Grund und Boden Windmühlen stehen, bekommen etwas mehr Geld. 16 Windräder sind im Einsatz. Es wird 60-mal mehr Strom produziert, als die 1000 Einwohner verbrauchen können. Nach zehn Jahren sollen sich die Investitionen von 62 Millionen Euro amortisiert haben.

Neue Steuereinnahmen

„Wir haben so gut wie keine Spannungen im Ort“, sagt Ortsvorsteher Marcel Just. Jedes der 2,3 Megawatt starken Windräder bringt etwa eine halbe Million Euro pro Jahr durch die Stromproduktion ein. Neben der gerechten Verteilung der Pachteinnahmen wurde auch die Idee einer Bürgerstiftung geboren. 50 000 Euro sollen jährlich Vereinen und sozialen Projekten zufließen und so die Dorfgemeinschaft stärken.

In Deutschland haben sich einer Erhebung des Netzwerks Dezentrale Energien zufolge 118 Regionen mit 17,8 Millionen Einwohnern das Ziel einer vollständigen Versorgung aus Ökoenergien gesetzt – der Osten gilt als Vorreiter.

In Dardesheim (Sachsen-Anhalt) schildert Bürgermeister Rolf-Dieter Künne Besuchern gerne die Vorteile des eigenen Windparks und der Solaranlagen, auch weil Kommunen so neue Steuereinnahmen haben. Junge Leute bleiben eher im Ort, und es entstehen neue Jobs in strukturschwachen Regionen.

Die kommunale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien lag 2009 nach Berechnungen des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung bei 6,8 Milliarden Euro und könnte bis 2020 auf 13,2 Milliarden Euro steigen. Im Ökoenergie-Bereich arbeiten bereits 340 000 Menschen.

Auch im Westen wird die Energiewende im Kleinen als Zukunftsmodell gesehen. Der CSU-Umweltpolitiker Josef Göppel kann von vielen Beispielen aus Bayern berichten. Er betont, in ländlichen Räumen lebe bei der Energiewende gerade die Genossenschaftsidee des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen wieder auf. Dessen Motto lautete: „Das Geld des Dorfes dem Dorfe“.