Man hat sich bei Wladimir Putin im Lauf der Jahre nun schon an einige Besonderheiten gewöhnt. Aber trotzdem gelingt es dem Kremlchef immer wieder, für Überraschungen zu sorgen. Dieses Mal war es eine der positiven Art: Kaum war Frank-Walter Steinmeier auf Moskaus Regierungsflughafen Wnukowo gelandet, bekam er die Mitteilung, dass ihn außer dem Außenministerkollegen Sergej Lawrow auch Putin gern sehen würde - ohne Fernsehkameras, ohne Mikrofone.

Die Einladung sorgte auch deshalb für Staunen, weil Putin erst am Wochenende vier Stunden lang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gesprochen hatte, am Rande des G20-Gipfels in Australien. Und die Kanzlerin anschließend ihre "Brandrede" hielt, in der sie nach Meinung vieler mit Russland so hart ins Gericht ging wie noch nie seit Beginn des Ukraine-Konflikts. Trotzdem nahm sich Putin für Steinmeier 75 Minuten Zeit, in kleinem Kreis. Von dem Treffen gibt es zwar Fotos. Sie wurden von Putin aber nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Die Gründe dafür kennt keiner.

Auch zu Ergebnissen gab es nicht viel zu hören, von beiden Seiten nicht. Von deutschen Diplomaten war zunächst auch nur zu hören, dass das Gespräch "ernsthaft" und "offen" gewesen sei. Heißt normalerweise: Man hat sich die Meinung gesagt. Aber wenigstens hat man geredet.

Das ist für die Bundesregierung im Ukraine-Konflikt inzwischen ein Wert an sich. Zwischenzeitlich war die Sorge groß, dass man mit Russland in einen Zustand der Sprachlosigkeit gerät - nach Merkels Rede in Australien sogar noch mehr. Die Kanzlerin, so heißt es aus der Bundesregierung, sei über die Reaktionen selbst überrascht gewesen. Eigentlich habe sie ihre Haltung gegenüber Russland nicht verschärft.

Der Außenminister verriet am Mittwoch dann doch noch ein wenig aus seinem Treffen mit Putin. Zumindest so viel: Für Hoffnungen auf eine baldige Entspannung im Osten der Ukraine gibt es keinen Grund. "Wir sind nach Lage der Dinge leider, leider immer noch weit entfernt von einer Entschärfung und noch weiter von einer politischen Lösung."

Zum Thema:
Das Krim-Problem muss aus Sicht des Vorsitzenden des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck (SPD), völkerrechtlich zwischen Moskau und Kiew geregelt werden. Nur so könnten Blockaden aufgelöst werden, sagte der frühere brandenburgische Ministerpräsident am Mittwoch. Eine Anerkennung der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim fordere er nicht. Russland hatte sich die zur Ukraine gehörende Schwarzmeerhalbinsel im März gegen internationale Kritik einverleibt. Erforderlich seien höchstwahrscheinlich ein neues Referendum unter Aufsicht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und finanzielle Leistungen. "Dieser Vorschlag bedeutet lediglich, dass wir überhaupt in der gesamten Krise endlich einen Schritt vorankommen", sagte Platzeck. Aus einem regionalen Konflikt dürfe kein Flächenbrand werden. Platzeck war in die Kritik geraten, weil er dafür geworben hatte, in der Krim-Frage Russland nachzugeben.