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Blitzmarathon soll Temposünder in Europa ausbremsen

Wo stehen am Donnerstag die Blitzer? Und ist mein vorgeschlagener Wutpunkt dabei? Die große Onlinekarte der RUNDSCHAU hat die Antworten.
Wo stehen am Donnerstag die Blitzer? Und ist mein vorgeschlagener Wutpunkt dabei? Die große Onlinekarte der RUNDSCHAU hat die Antworten. FOTO: Butt/lr
Potsdam/Görlitz. Am Donnerstag sollten Autofahrer besser den Fuß vom Gas nehmen, denn sonst blitzt es. Polizisten nehmen in Deutschland und anderen Ländern Raser ins Visier. Der mittlerweile dritte Blitzmarathon soll auf die Gefahren des Rasens hinweisen. Erstmals konnten Bürger in diesem Jahr selbst vorschlagen, wo die Polizei blitzen soll. Bodo Baumert / mit dpa dpa/bob

Pünktlich um 6 Uhr beginnt am Donnerstagmorgen bundesweit der dritte Blitzmarathon. Bis Mitternacht soll dann alleine in den Landkreisen Bautzen und Görlitz an mehr als 80 Kontrollstellen die Geschwindigkeit gemessen werden. Etwa 100 Polizeibeamte und Mitarbeiter der Ordnungsämter werden dazu im Einsatz sein, wie Polizeipräsident Conny Stiehl berichtet. "Zu schnelles Fahren war in Ostsachsen im Jahr 2014 ursächlich für etwa jeden zweiten Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang. Mit den Kontrollmaßnahmen setzt die Polizei ein deutliches Zeichen für mehr Sicherheit auf unseren Straßen", erklärt sie das Ziel der Aktion.

Auch im Bereich der Polizeidirektion Süd der Brandenburger Polizei stehen Polizei und Ordnungsämter bereit, um Rasern auf die Schliche zu kommen. "Wir haben 54 Einsatzorte geplant, in allen Landkreisen und der Stadt Cottbus", erklärt Polizeisprecherin Ines Filohn auf Nachfrage. "Wir sind es leid, so viele Menschen auf unseren Straßen sterben zu sehen", bekräftigt Polizeioberrat Ingolf Niesler, Leiter der Brandenburger Verkehrspolizei. In Cottbus beispielsweise sind Kontrollen am Stadtring und Nordring, in der Puschkin-Promenade, Leipziger Straße und Dissenchener Schulstraße geplant. Es werde aber auch Ortswechsel der mobilen Blitzer und weitere Kontrollen neben den angekündigten Positionen geben, erklärt Polizeisprecherin Ines Filohn. Eine Übersicht aller angekündigten Blitzerpunkte in der Lausitz, insgesamt über 130, hat die RUNDSCHAU auf ihrer Internetseite erstellt. Hier kann jeder auf einen Blick sehen, wo er am Donnerstag besser vorsichtig fahren sollte.

Über die Wirkung des Blitzmarathons gehen die Meinungen auseinander: "Kontrollen, die jedes halbe Jahr stattfinden, bringen wenig. Um die Sicherheit im Verkehr langfristig zu erhöhen, muss mehr getan werden", sagte eine Sprecherin des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Berlin. Auch die Mehrheit der Bundesbürger erklärte in einer YouGov-Meinungsumfrage: "Am nächsten Tag wird wieder gerast." Lediglich 19 Prozent der Befragten glauben, dass der Blitz-Marathon auf das Thema aufmerksam macht und bewirkt, dass auf Dauer weniger gerast wird. Der ADAC hingegen gewinnt der Großkontrolle etwas Positives ab: "Es wird transparent und ausreichend angekündigt, wo Messstationen aufgestellt werden. Ein Blitzmarathon ist eine Möglichkeit, das wichtige Thema der Raserei mal wieder aufs Tablett zu bringen", sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel.

Im Vorfeld hatten sich alleine in Brandenburg 1412 Bürger an einer Umfrage der Polizei beteiligt und mindestens eine aus ihrer Sicht gefährliche Stelle gemeldet, an der eine Kontrolle angebracht sei. 300 dieser Wutpunkte wurden landesweit in den Blitzmarathon integriert. "Alle anderen Stellen werden wir uns im Anschluss daran anschauen und versuchen, diese im Zuge der täglichen Kontrollpraxis gleichfalls mit einzubeziehen", so Polizeioberrat Ingolf Niesler.

Wer hat den Blitz-Marathon erfunden?
Die Idee wurde in Nordrhein-Westfalen geboren, als dort 2010 die Zahl der Verkehrstoten stieg. Im Jahr 2012 veranstaltete die Polizei daher das erste Mal einen Blitz-Marathon, die kommende Großkontrolle ist bereits die achte in NRW. 2013 feierte die Aktion bundesweite Premiere.

Gibt es eine besondere Zielgruppe?
Allgemeine Schwerpunkte gibt es nach Auskunft des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, das derzeit den Vorsitz der Innenministerkonferenz hat, diesmal nicht. Die hessische Polizei legt aber etwa einen Schwerpunkt auf Motorradfahrer.

Was ist der Hintergrund?
"Geschwindigkeit ist überall der Killer Nummer 1", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) Ende März bei der Vorstellung der diesjährigen Aktion.

Im vergangenen Jahr starben 3350 Menschen bei Unfällen auf Deutschlands Straßen, zu hohes Tempo war Ursache Nummer eins. Die Innenminister erhoffen sich von der Aktion ein Umdenken. Daher werden die Messstellen vorher im Internet veröffentlicht.

Wie viele Raser wurden die vergangenen beiden Male erwischt?
2013 ertappte die Polizei bundesweit 83 000 Raser, im vergangenen Jahr gingen ihr 93 000 Temposünder ins Netz.

Was sind die Besonderheiten in diesem Jahr?
Nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen europäischen Staaten sollen Raser gestoppt werden. Insgesamt nehmen in diesem Jahr 21 weitere Staaten teil- von Finnland bis Zypern. Bundesweit wird die Aktion in diesem Jahr aus einem traurigen Anlass zeitlich verkürzt: Am Freitag ist in Köln ein großer Gedenkgottesdienst für die Toten des Germanwings-Absturzes in den Alpen. Daher endet die eigentlich 24-stündige Kontrollaktion bereits sechs Stunden früher, um Mitternacht. Der Blitz-Marathon solle nicht von der Trauerfeier ablenken, heißt es zur Begründung.