Doch obwohl der Rechtsextremismus weiterhin in den neuen Bundesländern um sich greift, blickt die erste und dienstälteste Ausländerbeauftragte Ostdeutschlands in diesen Tagen des Abschieds ohne Zorn zurück. Denn die 63-Jährige sieht zugleich Entwicklungen, die sie durchaus hoffnungsvoll stimmen: „Inzwischen gehen auch tausende Menschen gegen Rechtsextremismus auf die Straße“ , sagt die brandenburgische Ausländerbeauftragte, die gestern in den Ruhestand gegangen ist.

Engagement seit DDR-Zeiten
Das Engagement der früheren Pfarrerin für die Belange der Ausländer reicht bis in DDR-Zeiten zurück. 1986 richtete sie in Ost-Berlin unter dem Schutz der evangelischen Kirche den ersten von später zahlreichen „Cabana“ -Treffs ein, staatsunabhängigen Begegnungsstätten für Vertragsarbeiter aus den sozialistischen Bruderländern und einheimische Christen. Berger prangerte damals die oftmals triste Lage der Ausländer in der DDR an, stieß bei den Behörden allerdings auf taube Ohren.
Offiziell galt in der DDR zwar das sozialistische Motto der Völkerfreundschaft, doch der Alltag der Ausländer sah anders aus: Die meisten Vertragsarbeiter lebten kaserniert zu viert in einem Zimmer über Jahre hinweg unter sehr restriktiven Regeln, die zudem der Geheimhaltung unterlagen. Familienbesuch durften sie in der DDR nicht empfangen, Schwangere wurden oft sofort in ihr Heimatland abgeschoben. Für Ausländer gab es „keine Möglichkeit, ein normales Leben zu führen“ , berichtet Berger.
Ein halbes Jahr vor dem Ende der DDR wurde sie dann von Regierungschef Hans Modrow in das Amt der Ausländerbeauftragen des ostdeutschen Staates berufen, 1991 wurde sie Ausländerbeauftragte des neuen Bundeslandes Brandenburg. Es war ein heikler Posten. „Wir haben sehr schnell die Erfahrung machen müssen, dass massive Fremdenfeindlichkeit und Gewaltbereitschaft existieren“ , sagt Berger im Rückblick. Am Nikolaustag 1990 wurde der angolanische Vertragsarbeiter Amadeu Antonio Kiowa in Eberswalde von dutzenden rassistischer Schlägern getötet. Wenige Monate später wurden in Wittenberge zwei Männer aus Namibia von Jugendlichen angegriffen und vom Balkon eines Plattenbaus geworfen.
Trotz solcher Vorfälle dauerte es Jahre, bis der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) zähneknirschend auch offiziell einräumte, dass Brandenburg ein erhebliches rechtsextremistisches Problem hatte.
Auch Bergers unmittelbare Vorgesetzte, Arbeits- und Sozialministerin Regine Hildebrandt (SPD), machte der Ausländerbeauftragten den Job nicht unbedingt einfacher. Hildebrandts Forderung, Asylbewerbern nur noch Sachleistungen und kein Bargeld mehr auszuhändigen, führte zum politischen Bruch zwischen den beiden Frauen.
Noch schwieriger wurde es für Berger nach dem Regierungseintritt der CDU. Doch immerhin konnte sie eine Härtefallkommission durchsetzen, die bundesweit einmalig außerhalb gesetzlicher Regelungen eine Aufenthaltsgenehmigung erreichen kann. Den Vorwurf, zwischen dem Tod von Amadeu Antonio Kiowa und dem jüngsten Überfall auf den Deutsch-Äthiopier Ermyas M. habe sich wenig geändert, weist Berger deshalb auch zurück.

Bessere Zukunft
Dass es inzwischen auch größere Demonstrationen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gibt, ist eine der Entwicklungen, die sie ohne Verbitterung aus dem Amt scheiden lassen: „Man kann optimistisch sein“ , sagt die 63-Jährige. Sie hoffe auf eine bessere Zukunft für Zuwanderer in Ostdeutschland.