Die Begeisterung für schnelle Fahrzeuge hat Ferdinand Porsche (1875 - 1951) wohl schon sehr zeitig gepackt. Der Gründer des gleichnamigen Sportwagenherstellers kam in der Nähe der böhmischen Stadt Liberec (Reichenberg) zur Welt, wo der Rennfahrer und Fabrikant Theodor von Liebieg 1894 zur ersten internationalen Autofernfahrt über 2500 Kilometer startete. "Das Thema war präsent in der Gegend und hat den jungen Porsche fasziniert", sagt Marius Winzeler, Direktor der Städtischen Museen in Zittau.

Am vergangenen Wochenende wurde dort eine Ausstellung über Pioniere des Automobilbaus an der Neiße eröffnet. Darin wird auch der Tüftler gewürdigt, der später in Stuttgart Karriere machte. In der deutsch-tschechischen Grenzregion sei europäische Autogeschichte geschrieben worden, meint Winzeler. Die Gründung der Zittauer Phänomen-Werke vor 125 Jahren nahm das Museum zum Anlass für die zweisprachige Schau.

Gustav Hiller (1863-1913) hatte das Unternehmen 1888 gegründet. "Sein Verdienst war es, dass er für die Masse taugliche Fahrzeuge entwickelte." Die Firma produzierte anfangs Fahrräder und ab 1905 das legendäre Motordreirad "Phänomobil", das äußerst vielfältig zum Einsatz kam. Fahrzeuge dieses Typs wurden die ersten Postautos.

Ein Auftrag der Reichspost war Auslöser dafür, dass Hiller ab 1927 auch Lastwagen baute. Ein Modell mit luftgekühltem Motor wird in der Ausstellung zu sehen sein, die bis 10. November unter dem Titel "Phänomenal" in Zittau läuft. Spannende Geschichten rund um den Fahrzeugbau in Nordböhmen und der Oberlausitz sollen Besucher animieren, die Historie des Grenzgebietes im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert neu zu entdecken.

So galt Zittau am Ende des 19. Jahrhunderts als Hochburg für Radrennen. "Wir wollen die Verbindungen und den intensiven Austausch in der zweisprachigen Kulturlandschaft sehr deutlich machen", sagt Winzeler über das Anliegen der Schau, die keine Technikausstellung sei. Immer wieder geht der Blick deshalb über die Grenze. "Alle wichtigen Firmen hatten auf der anderen Seite Partner."

Gerade dieser Gedanke bestimmt seit einigen Jahren auch die Aktivitäten des Zittauer Museums. Am "phänomenalen" Projekt etwa haben mehrere Einrichtungen in Tschechien mitgewirkt, darunter aus Liberec, Hradek nad Nisou und Ceska Lipa. "Unsere grenzüberschreitende Museumsarbeit entwickelt sich gut", schätzt der Direktor ein. Das findet wohl auch Anklang beim Publikum: "Wir haben immer mehr tschechische Besucher."

Auch die "Manufaktur der Träume" in Annaberg-Buchholz hat seit ihrer Eröffnung im Jahr 2010 Gäste aus dem Nachbarland fest im Blick. Längst sei es normal, dass Leute zum Einkaufen oder Wandern über die Grenze gehen, findet Jörg Bräuer, Kurator der Dauerpräsentation von erzgebirgischer Volkskunst. "In der Kultur haben wir dagegen noch Nachholbedarf." Beschriftungen, Hörstationen und Rundgangsbroschüren auf Tschechisch gehören zum Service der Manufaktur.

Zusammen mit zwei weiteren Annaberger Museen bietet sie seit gut zwei Jahren ein Kombiticket an, das außerdem drei Häuser in den tschechischen Städten Most und Chomutov akzeptieren. Die Resonanz blieb jedoch bislang eher verhalten. "Kombitickets allein sind nicht sinnvoll", sagt die Direktorin der Landesstelle für Museumswesen in Chemnitz, Katja Mieth. "Grenzen überwindet man am besten durch Dialog und Austausch, etwa gemeinsame Ausstellungs-, Forschungs- und Veranstaltungsprojekte."

In diesem Sinne arbeiten die Schlösser Weesenstein in Sachsen und Decin (Tschechien) schon seit 2003 zusammen. Die Kooperation erstreckt sich auf Publikationen, Tagungen, Ausstellungen und Praktika, sagt Schlossdirektorin Andrea Dietrich. In einem von der EU geförderten Projekt ging es zuletzt um die wechselvolle Geschichte von Adelssitzen in Tschechien und Deutschland im 20. Jahrhundert. Erste Ergebnisse sind bis Ende Oktober in Weesenstein zu sehen, in der Ausstellung "Der Ledertapetensaal in alter Pracht - Das Original kehrt zurück".