Auf den Tag, an dem das Informationszentrum des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft endlich öffnet, hat Peter Heyne sehnsüchtig gewartet. "Jahrzehntelange Arbeit vollendet sich", sagt der Chef der Reservatsverwaltung über den Neubau in Wartha (Landkreis Bautzen). Die Anlaufstelle für Besucher gehörte von Anfang an zur Grundvision für den Vierseitenhof, auf dem die Verwaltung von Sachsens einzigem Biosphärenreservat ihren Sitz hat, hebt Heyne hervor.

Schmuckstück im Dorf Am nächsten Mittwoch wird das Info-Haus eröffnet, das sich mit seiner Scheunenarchitektur behutsam ins Dorfbild einfügt. Nach ursprünglichen Angaben waren rund 2,6 Millionen Euro als Investitionskosten für das Zentrum veranschlagt worden. Kernstück des Hauses mit Vortrags- und Seminarraum, Besucherinformation und Archiv ist eine multimediale Ausstellung, die ins "Land der 1000 Teiche" entführt.

Sie widmet sich der jahrhundertealten Tradition der Teichwirtschaft in dem Unesco-Schutzgebiet, vor allem der Aufzucht von Karpfen im Wechsel der vier Jahreszeiten. "Jedes Biosphärenreservat steht für eine bestimmte Landschaft", sagt Guido Puhlmann, Vorstandsvorsitzender von Europarc Deutschland. "Für die Oberlausitz ist die Teichwirtschaft essenziell." Daran exemplarisch eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung zu erklären, empfindet Puhlmann als gute Wahl. Immerhin sei auch der Biokarpfen aus der Oberlausitz längst zu einem Projekt mit nationaler Ausstrahlung geworden, schätzte der Leiter des Biosphärenreservats Mittelelbe (Sachsen-Anhalt) ein.

Von der Unesco erhielt das Schutzgebiet in den zurückliegenden Jahren sehr gute Bewertungen, berichtet Puhlmann. "Ein Punkt, der jedoch bisher kritisiert wurde, war das fehlende Informationszentrum." Nach gut 15 Jahren ist das Defizit nun behoben. "Wir können auf einer ganz anderen Ebene arbeiten", freut sich Peter Heyne. Es sei möglich, viel größere Zielgruppen und Besucher außerhalb der Region anzusprechen.

Mit 20 000 Gästen im Jahr rechne die Verwaltung. Das Biosphärenreservat hatte den Vier-Seiten-Hof in Wartha seinerzeit als Ruine übernommen, erinnert sich Heyne. Die Verwaltung bezog dort 2005 einen Neubau - an der Stelle, wo einst das Wohnhaus stand. Es konnte nicht erhalten und saniert werden wie ursprünglich geplant, ebenso wie das benachbarte Stallgebäude nicht.

Nur vier Säulen im Foyer des neuen Info-Hauses blieben davon stehen. Die Ausstellung darin setzt auf überraschende Akzente. Wenn Besucher etwa einen fiktiven Teichstöpsel ziehen, sind sie mittendrin beim Abfischen, erzählt Alexander Fleischmann. Er ist Geschäftsführer der Leipziger Firma Kocmoc.net, die den Streifzug durch die Teichlausitz auf rund 250 Quadratmetern gestaltet hat.

Museum weckt Neugier Das Unternehmen hat mit kreativer Handschrift inzwischen Ausstellungen an mehreren Orten geprägt, unter anderem im Neuen Schloss des Muskauer Parks, im Kamenzer Museum der Westlausitz und in der "Manufaktur der Träume" in Annaberg-Buchholz. "Wir wollen Neugier wecken und Staunen erzeugen", sagt Fleischmann.

So dürfen Besucher der Schau in Wartha bei der Karpfenzubereitung zusehen. In einem Supermarkt mit vielen bunten Produkten erfahren sie Hintergründe, was in Lebensmitteln steckt, etwa Transportkosten, Antibiotika oder Gentechnik. Auch typische Bewohner der Region wie Wolf, Seeadler, Fischotter, Kranich und Kormoran sind in der Ausstellung anzutreffen, zumindest als präparierte Exponate.

In jedem Fall soll der Rundgang Lust machen, die Tier- und Pflanzenwelt draußen "in echt" zu erleben. Gelegenheit dafür gibt es direkt vor der Tür, wo der Naturlehrpfad durch die Guttauer Teiche beginnt.