Nun soll ab 2008 auch der Schadstoffausstoß als Berechnungsgröße hinzukommen. Die Flughäfen Frankfurt und München starten dazu ein Pilotprojekt. Ziel: Die Belastung der Umgebung mit Stickoxiden (NO x ) soll sich mittelfristig verringern. Teurer werden die Tickets dadurch nicht.
Für jedes Kilogramm Stickoxid müssen die Fluggesellschaften bei Start und Landung künftig drei Euro in die Kasse zahlen. Das macht, rechnete Fraport-Chef Wilhelm Bender gestern bei der Präsentation der Pläne in Berlin vor, für eine moderne Boing 737 eine Mehrbelastung von nur 15 bis 20 Euro pro Bewegung aus. Ein alter Jumbo-Jet aber muss bis zu 500 Euro mehr zahlen. Inklusive der Lärmgebühr sind 32 Prozent der gesamten Start- und Landekosten dann umweltabhängig. Damit wird die Qualität der Triebwerke noch mehr zum Sparfaktor. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erhofft sich einen Steuerungseffekt. „Der Einsatz umweltfreundlicher Flugzeuge wird künftig belohnt“ .
Unter dem Strich wollen die beiden Airports aber nicht mehr Geld einnehmen. Die fixen Start- und Landegebühren, die vom Gewicht abhängen, sollen sinken. Zusätzlich belastet werden also nur die „schmutzigen“ Fluggesellschaften, während andere mit Entlastung rechnen können. Frankfurt und München wickeln zusammen 50 Prozent des deutschen Flugverkehrs ab. Minister wie Airportmanager äußerten die Hoffnung, dass sich bald weitere Flughäfen anschließen. Zudem soll das Pilotprojekt Vorbild für eine EU-weite Regelung sein.
Die Klimaauswirkungen sind nur lokaler Natur. Am Flughafen Franz Josef Strauß wie in Frankfurt wird die Luft dann tendenziell besser. Stickoxide sind eine wesentliche Ursache für die Bildung bodennahen Ozons. Beim großen Klimathema CO 2 -Ausstoß sind sich Luftfahrtindustrie und Politik hingegen weniger einig. Tiefensee widersprach ausdrücklich der Forderung, im Gegenzug zur Einführung der neuen Schadstoffabgabe auf Regelungen wie die Erhebung der Mehrwertsteuer auf Flugbenzin zu verzichten. Umweltverbände fordern dies, um das Fliegen wieder teurer zu machen und das Wachstum etwas zu bremsen. Die Bundesregierung setze sich für eine europaweit einheitliche Kerosinsteuer ein, sagte der Minister dazu. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber warnte: „Wer die internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet, exportiert Arbeitsplätze“ . Einigkeit besteht allerdings in dem Ziel, den Flickenteppich der europäischen Überwachungszonen zu ordnen, damit die Maschinen keine Umwege fliegen müssen. Auch ist die Industrie mit der von der EU geplanten und von Tiefensee forcierten Einbeziehung in den Emissionshandel einverstanden. Der globale Luftverkehr allein stößt derzeit schon fast so viel CO 2 aus wie Deutschland insgesamt. Tendenz steigend. Mayrhuber räumte ein: „Diese Branche kann sich nur entwickeln, wenn wir eine deutliche Entkoppelung zwischen Wachstum und Belastung erreichen“ .