„Eishockey
in Weißwasser soll wieder Spaß machen.“
 René Reinert,
Füchse-Geschäftsführer


Beim Blick zurück gerät Joachim Franke ins Schwärmen. "Nach den Meisterschaftssiegen ist die Mannschaft immer mit einer Kapelle vom Bahnhof zum Eisstadion marschiert. Wir Jungs sind nebenher gerannt und haben die Spieler angehimmelt", erzählt Franke. Später stand er dann selbst auf dem Eis in Weißwasser. Der heutige Erfolgstrainer der Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechstein erlebte viele dieser Volksfeste hautnah mit. 1951 holte Weißwasser den ersten DDR-Meistertitel. Bis 1965 wanderte der Meister-Pokal ausschließlich in den Trophäenschrank der Lausitzer. Den letzten Triumph feierte Eishockey- Weißwasser im Frühjahr 1990. 12 000 Fans bejubelten im damaligen Wilhelm-Pieck-Kunsteisstadion den 25. DDR-Meistertitel der Blau- Gelben gegen den Dauerrivalen aus der Hauptstadt Berlin.
Ganz so viele Fans wird die morgen beginnende Abstiegsrunde gegen Dresden sicher nicht anlocken. Und doch steht für die Füchse dabei viel auf dem Spiel. Es geht für sie zwar nicht mehr um die nackte Existenz wie in den meisten Jahren zuvor, als der Traditionsverein immer wieder von finanziellen Krisen geschüttelt wurde. Es geht aber immerhin um die Weichenstellung für die Zukunft.
Denn nach mehreren Spielzeiten der Tristesse will der Club zu neuen Ufern aufbrechen. „Vor allem die vergangenen beiden Jahre haben uns als Verantwortliche, den Sponsoren und natürlich auch den Fans keinen Spaß gemacht. In Zukunft soll Eishockey in Weißwasser wieder Spaß machen“ , betont Füchse-Geschäftsführer René Reinert.
Im Mittelpunkt der Visionen steht die neue Eishalle, deren Planung bis zum Jahresende abgeschlossen werden soll. In dieser Woche wurden bei einem Gespräch im Regierungspräsidium Dresden die Fördermöglichkeiten ausgelotet. Zumal die Zeit drängt, denn die jetzige Spielstätte ist hoffnungslos veraltet. Außerdem kostet die Unterhaltung der maroden Kühltechnik, die noch russische Aufschriften trägt, sehr viel Geld.

Gefragter Nachwuchs
Überdies soll die Nachwuchsarbeit - jahrelang das Weißwasseraner Markenzeichen - wieder intensiviert werden. Erklärtes Ziel ist es, wie früher sämtliche Altersklassen mit einer Mannschaft zu besetzen, um den Talenten eine kontinuierliche Entwicklungsmöglichkeit zu geben. Zu diesem Zweck wurde das Nachwuchsleistungszentrum weiter ausgebaut. Ab dem Sommer kann erstmals eine Ganztagsbetreuung angeboten werden. Derzeit sind knapp 200 Nachwuchsspieler in Weißwasser aktiv. "Diese Jungs sind die Zukunft des Vereins", sagt Thomas Popiesch. Der Cheftrainer der Profis hat am Dienstag seinen Vertrag bis 2010 verlängert und soll neben der Arbeit mit der ersten Mannschaft das Nachwuchskonzept vorantreiben.
Für diese Visionen braucht es Vorbilder - am besten natürlich in der 2. Liga. Deshalb wissen alle Beteiligten, dass der Abstieg in die Drittklassigkeit ein schmerzlicher Rückschritt wäre. Der Eishockey-Standort Weißwasser sei im Falle des Scheiterns aber nicht in Gefahr, versichert Füchse-Geschäftsführer Reinert. "Natürlich ist die Angst vor dem Abstieg da. Er wäre zwar bitter, aber kein Super-GAU für uns. Wir fallen nicht in ein tiefes Loch. Die meisten Sponsoren würden weitermachen."
Stolz verweist der Logistik- Unternehmer darauf, dass man die Saison voraussichtlich mit einer "schwarzen Null" abschließen wird. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Zu oft machte man in Weißwasser in der Hoffnung auf kurzfristigen sportlichen Erfolg finanzielle Vorgriffe auf zukünftige Etats. In den meisten Fällen wurden diese Hoffnungen enttäuscht. Auch der tatendurstige Reinert hat diese Lektion sehr schmerzvoll lernen müssen. Inzwischen jedoch wurde - nicht zuletzt durch die Gründung eines einflussreichen Finanzbeirates - das Feld für die Zukunft bereitet. Genau wie die ausgegliederte Profiabteilung ist auch der Gesamtverein ES Weißwasser dank eines Entschuldungskonzeptes mittlerweile von seinen siebenstelligen Verbindlichkeiten herunter und in ruhigem Fahrwasser angekommen. Selbst die jahrelangen Reibereien mit der Stadt Weißwasser, die auf einer gegenseitigen Abneigung einzelner Personen beruhte, scheinen beigelegt.

Wirtschaftliche Konsolidierung
Als eine der letzten Hypotheken aus der Vergangenheit wurde im Sommer der Etat des Profiteams drastisch reduziert, um den Weg für den Neuanfang freizumachen. Reinert als Geschäftsführer setzte die wirtschaftliche Konsolidierung ausdrücklich vor den sportlichen Erfolg.
Dieses Sparkonzept geht bislang auf. Denn Teil eins des Vorhabens ist mit der „schwarzen Null“ in den Bilanzen erfüllt. Teil zwei gilt es nun auf dem Eis im brisanten Sachsenderby gegen die mit großen Ambitionen in die Saison gestarteten Eislöwen aus Dresden zu realisieren. Sollte den Füchsen als Außenseiter der Klassenerhalt gelingen, wäre das allemal ein kleines Volksfest wert - so wie damals in den 50er-Jahren.