Die Landesdirektion Sachsen bereitet in Dresden die Unterbringung weiterer Flüchtlinge vor. Sie könnten allerdings nicht vor Montag kommen, wie Sprecherin Mandy Taube am Samstag mit Blick auf noch nötige Vorbereitungen sagte. „Es gibt momentan noch keinen verlässlichen Termin der Ankunft.“ Die 600 Asylbewerber werden in Sporthallen der Technischen Universität untergebracht. Währenddessen bemühen sich zahlreiche Helfer, die Lebensbedingungen für die aktuell 1026 Menschen in dem Dresdner Zeltlager zu verbessern. Dort kam es zu einer Massenschlägerei zwischen Syrern und Afghanen. Der Grund blieb zunächst unklar.

Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) hält Zeltlager nicht für die geeignete Form der Flüchtlingsunterkunft. Die Asylsuchenden, darunter viele Familien und Kinder, in Zelten unterzubringen, „kann und darf kein Dauerzustand sein“, sagte die Ministerin nach einem Besuch des Areals am Freitagabend. Wohn- und Lebensumstände seien „einfach, sehr einfach“. Sie dankte allen Mitarbeitern von DRK und Technischem Hilfswerk sowie anderen Helfern, die sich dort engagierten. Zugleich versprach sie, den Alltag in dem Zeltlager zu verbessern und freundlicher zu gestalten.

Das geht nur in kleinen Schritten. Laut Taube verschwinden dank weiterer Dusch- und Toilettencontainer die Dixie-Klos bis nächste Woche komplett. „Die hygienischen Bedingungen haben sich schon verbessert.“ So müssten die Toiletten nicht mehr geleert werden, und inzwischen könnten Zeltbewohner auch ihre Sachen reinigen. „Wir sind dabei, den Not- in einen Regelbetrieb zu überführen“, sagte DRK-Sprecher Kai Kranich. Seit einer Woche leben Flüchtlinge in Zelten, weil derzeit kaum andere Unterkünfte zur Verfügung stehen.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Eva Jähnigen sieht das Zeltlager trotz leichter Verbesserung der bescheidenen Lebensumstände weiterhin kritisch. Sie mahnte vor allem eine bessere Gesundheitsversorgung und Ernährung der Menschen an. „Die gesundheitliche Versorgung darf nicht allein auf ehrenamtlichem Engagement fußen“, sagte sie. Zudem seien die Essensportionen zu klein, vor allem für Schwangere, Stillende und Heranwachsende. „Hier muss schnell Abhilfe geschaffen werden.“ Außerdem sollten Familien mit Kleinkindern und Schwangere schnell in feste Quartiere umziehen.

Zwei Uni-Sporthallen im Süden der Stadt bieten unter Umständen auch die Möglichkeit für Verlegungen. Dort bauten Helfer von DRK und Technischem Hilfswerk sowie andere Freiwillige 605 Feldbetten auf, sortierten Decken und Schlafsäcke - in erster Linie für Frauen und Kinder unter den neuen Asylbewerbern. „Es ist sehr spartanisch“, sagte Taube. Eine dritte Halle werde zur Registrierung, für Essen sowie für die soziale und medizinische Betreuung genutzt. „Es gibt 52 Duschen, 30 Toiletten und acht Dixie-Klos.“ Das stationäre Angebot werde noch erweitert. Die TU arbeitet nach eigenen Angaben auch an einer Kinderbetreuung.

Die Grüne Jugend Sachsen verlangte mehr Polizeischutz für Asylbewerberunterkünfte und eine konsequentere Strafverfolgung bei Übergriffen. „Es ist unsere humanitäre Pflicht, den Geflüchteten den bestmöglichen Schutz vor Übergriffen zu bieten“, sagte Landessprecherin Alessa Wochner.

Unterdessen sind bei einer Auseinandersetzung zwischen Flüchtlingen im Zeltlager acht Menschen verletzt worden, darunter eine Frau. Die Polizei beendete mit 80 Beamten die Massenschlägerei und hielt die jeweils etwa 50 Syrer und Afghanen auseinander, wie ein Sprecher mitteilte. Warum ein verbaler Streit zwischen zwei Gruppen derart eskalierte, war zunächst unklar. „Männer und Frauen gingen mit allem, was greifbar war, aufeinander los - von der Zaunlatte bis zum Bettgestell“, sagte ein Polizeisprecher.

Auch das DRK kann sich die Eskalation nicht erklären. „Die Stimmung war eigentlich immer gut“, sagte Sprecher Kranich. Das Netzwerk „Dresden für Alle“ überraschte die Zuspitzung der Lage nicht. „Die Nerven liegen blank, auch weil viele geflüchtete Menschen nicht wissen, was mit ihnen passiert“, sagte Sprecher Erich Hattke. Neben Defiziten bei der Grundversorgung werde kaum Rücksicht auf kulturelle Unterschiede genommen. Zur Sicherheit entschieden die Behörden, dass mehrere Dutzend Ordnungshüter vorläufig im Lager präsent sind. Sie richten sich auf eine lange Nacht ein, wie ein Polizeisprecher sagte. „Wir bleiben - erstmal bis morgen früh.“