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Blackout – was tun, wenn der Strom überall ausfällt?

Stromausfall
Stromausfall FOTO: JoeEsco | Photocase
Der regionale Envia-Netzbetreiber Mitnetz Strom engagiert sich seit Jahren für bessere Vorsorge für einen Stromausfall. Im vorigen Herbst wurde dafür ein regionales Netzwerk gegründet. Über Ziele und erste Ergebnisse sprach die RUNDSCHAU mit dem technischen Geschäftsführer der Mitnetz Strom, Adolf Schweer.

Herr Schweer, wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser und Polizei haben Notstromaggregate. Reicht das als Vorsorge für einen längeren Stromausfall nicht aus?
Wir haben lange Zeit erlebt, dass wir eine sehr sichere Stromversorgung haben. In den letzten Jahren sind wir aber mehrmals an Grenzsituationen herangekommen. Und wenn man dann mal in Krankenhäusern oder an anderen Stellen fragt, wie lange ist euer Notstromgerät mit Diesel versorgt, dann ist das meist nur ein Tag. Die Frage ist, wie kommt man dann an neuen Diesel ran, denn wenn der Strom ausfällt, funktionieren Tankstellen nicht mehr und auch keine Tanklager.

Wie kann man denn dieses Problem lösen, gibt es in Ihrem neuen Netzwerk dafür Ideen?
Jeder muss das erst mal für sich durchspielen und überlegen, wie er sich absichern kann. Wir haben inzwischen den Vorrat an Diesel für unsere Leitstellen so aufgestockt, dass wir eine Woche lang damit auskommen.

Haben Sie denn den Eindruck, dass die Sensibilität für dieses Thema wächst?
In unserem Arbeitskreis mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Innenministerien, Landräten und Rettungsleitstellen sind wir darauf gekommen, dass es eine ganze Reihe sensibler Infrastrukturen im Falle eines längeren Stromausfalls gibt. Die beiden wichtigsten Bereiche sind die Kommunikation und der Dieselnachschub zur Notstromerzeugung.

Was wäre denn im Bereich Kommunikation zu tun?
Wichtig ist die Anschaffung von Satellitenhandys, viele haben solche Geräte auch schon. Doch das nutzt nichts, wenn man im Notfall die Telefonnummern der Sattelitenhandys wichtiger Partner nicht griffbereit hat. Wir haben jetzt angeboten, in unserem Netz-Gebiet für alle Beteiligten eine Datei mit diesen Nummern anzulegen.

Gibt es auch schon konkrete Schritte zur Sicherung des Kraftstoffnachschubes?
Ja. Wir haben mit dem Betreiber eines Großtanklagers in der Nähe von Chemnitz dazu einen Vertrag gemacht. Versuchsweise haben wir das Lager komplett vom Strom abgeschaltet und mit Aggregaten die Stromversorgung wieder aufgebaut. Das war nicht ganz einfach. Wir haben jetzt aber dafür ein Konzept und können bei einem längeren Stromausfall von diesem Lager aus kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Leitstellen, Technisches Hilfswerk mit Diesel versorgen.

Wo gibt es denn aus Ihrer Sicht Bereiche, die noch unzureichend auf so eine Situation vorbereitet sind? Wie sieht es zum Beispiel beim Trinkwasser aus?
Die Versorgung hängt auch da von stromgetriebenen Pumpen ab. Für diese gibt es auch Notstromaggregate, aber auch hier wird der Dieselvorrat vermutlich nicht sehr groß sein. Auch die Nahrungsmittelversorgung könnte ein Problem werden.

Warum das, die Supermärkte sind doch voll?
Die haben aber keine großen Lager, sondern Umschlagszeiten von zwei bis drei Tagen. Dann wären alle Regale leer. Als im Münsterland durch vereiste Leitungen mal eine Woche lang der Strom unterbrochen war, konnten die Menschen noch aus diesem Gebiet etwa 50 Kilometer herausfahren, um zu tanken oder einzukaufen. Wenn ein betroffenes Gebiet größer ist, geht das nicht mehr. Unser Ansatz im Arbeitskreis war es deshalb, so ein Szenario mal durchzuspielen.

Wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Stromausfall in einem größeren Gebiet eintritt und auch mehr als zwei Tage anhält?
Die Wahrscheinlichkeit ist schon sehr gering, aber es kommen immer wieder mal weltweit solche Ausfälle vor. Und durch die viel stärkere Auslastung der Netze in Deutschland und durch die schwankende Erzeugung erneuerbarer Energien ist das ganze System immer stärker herausgefordert. Andererseits sind wir durch immer mehr Elektronik und Computer viel abhängiger von einer stabilen Stromversorgung.

Findet die Initiative der Mitnetz, mehr Akteure zum Krisenmanagement bei einem Stromausfall zusammenzubringen, inzwischen Nachahmer?
Es wird bundesweit schon beobachtet, weil es die Verbindung ist von praktischen Problemen mit den Institutionen, die sich theoretisch damit beschäftigen. Wir würden uns freuen, wenn diese Idee von anderen aufgegriffen würde und das Thema von den Energieversorgern professionell gemanagt würde. Landräte und Innenministerien hätten dann einen Ansprechpartner, um so eine Situation mal durchzuspielen und zu schauen, wer wären im Notfall ihre Partner. Damit wären sie schon recht gut gewappnet.

Mit Adolf Schweer

sprach Simone Wendler

Zum Thema:
Die Mitnetz Strom mbH ist eine Tochter der enviaM und der größte regionale Verteilnetzbetreiber in Ostdeutschland. Das enviaM-Gebiet erstreckt sich auf Südbrandenburg, Teile Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens. Im Oktober 2014 gründete Mitnetz Strom das Expertennetzwerk für das Krisenmanagement bei einem Stromausfall. Dem gehören die Innenministerien von Brandenburg und Thüringen, die Landesdirektion Sachsen und das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalts an. Weitere Mitglieder sind unter anderen die Kreisverwaltungen Dahme-Spreewald und Spree-Neiße, die Städtischen Werke Spremberg und die Cottbuser Berufsfeuerwehr. Das Netzwerk kommt einmal jährlich zu einem Fachtreffen zusammen.