Seine Kabinettskollegen Michael Glos (Wirtschaft/CSU), Brigitte Zypries (Justiz/SPD), Horst Seehofer (Verbraucher/CSU) sowie der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und einige Experten aus den Ländern werden kommen. Angesichts des Skandals um illegale Datengeschäfte soll über Maßnahmen für einen besseren Datenschutz beraten werden. Doch nicht nur der florierende Handel mit persönlichen Informationen muss dem Bürger Sorgen machen: Bundeskriminalamt (BKA) und die Informationswirtschaft warnen vor raffinierten Tricks der Datendiebe im Internet – womöglich auch ein Thema für den Gipfel.
Schon mal im Netz eingekauft, die Kreditkartenabrechnung überprüft oder eine Fahrkarte gebucht? Jedes Mal gibt man seine Identität preis, wichtige persönliche Daten, von der Adresse bis zur Bankverbindung.

Das alles ist auch für Kriminelle interessant, die „gesamte digitale Identität eines Nutzers wird heute angegriffen“, warnt der Präsident des BKA, Jörg Ziercke. Vor allem haben es die Cyber-Täter auf jene abgesehen, die Bankgeschäfte online erledigen und die Internetangebote ihrer Geldinstitute nutzen. Das sind laut dem Branchenverband der Informationswirtschaft (Bitkom) mittlerweile 22 Millionen Deutsche. Phishing werden solche Attacken genannt – das Angeln nach Passwörtern mit gefälschten Websites oder massenhaft verschickten E-Mails, um sich Zugang zu geheimen Bankdaten zu verschaffen und Konten abzuräumen.

2007 wurde in 4100 angezeigten Fällen rund 19 Millionen Euro online von Konten gestohlen, ein neuer Rekord. Im Vergleich zu anderen Schäden durch Organisierte Kriminalität erscheint das nicht sonderlich hoch. Laut BKA-Präsident Ziercke ist dies aber nur die „Spitze des Eisbergs“. Und gleichzeitig rechnet Bitkom-Mitglied Dieter Kempf in diesem Jahr mit einem Rückgang der Fälle dank verbesserter Sicherheitsmaßnahmen der Wirtschaft und einer höheren Sensibilität der privaten Internetnutzer.
Trotzdem scheinen Branche und Nutzer im Wettlauf mit den Betrügern immer ein wenig hinterher zu hinken: „Die Täter arbeiten vorübergehend in Netzwerken zusammen“, berichtet Ziercke, und das weltweit und sehr professionell. „Persönlich kennen sie sich oft gar nicht.“ Die Tricks der Betrüger sind hingegen bekannt, was sie aber nicht weniger raffiniert macht: Häufig ist es so, das Opfer eine E-Mail bekommen, in der sie aufgefordert werden, Bankdaten neu einzugeben. Als Grund wird etwa eine Software-Aktualisierung oder ein Sicherheits-Check vorgetäuscht.

Die Mails sehen täuschend echt aus: Es werden Firmenlogos und Internetadressen perfekt kopiert, und schon fällt man darauf rein. Doch diese klassische Phishing-Mail ist laut Bitkom weitgehend von einer anderen Methode abgelöst worden: „Heute setzen Betrüger stärker Schadprogramme wie Trojaner ein, die im Hintergrund spionieren“, so Kempf. Beim Surfen im Internet fängt man sich so eine Software durchaus sehr schnell ein.
Bitkom fordert darum mehr rechtliche Mittel gegen Online-Betrug, „auch der Versuch sollte schon hart bestraft werden“ – und nicht erst der Klau.
Angesichts des zunehmenden Datenmissbrauchs fordert die Verbraucherschutzzentrale Brandenburg (VBZ) Betroffene auf, ihre Erfahrungen mitzuteilen. Noch bis zum 14. September könnten Opfer von Datenmissbrauch im Internet unter www.vzb.de hierzu einen Fragebogen ausfüllen, teilte die Verbraucherschutzzentrale am Mittwoch in Potsdam mit. Damit könnten Betroffene helfen, „unseriöse Machenschaften“ aufzudecken. Die VBZ empfiehlt außerdem Zurückhaltung bei Gewinnspielen, Umfragen oder Rabattsystemen, vor allem bezüglich der Kontoverbindung.