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| 01:03 Uhr

BKA-Studie ergibt: Jeder 20. Schüler gewalttätig

Wiesbaden.. Etwa fünf Prozent aller deutschen Schüler werden regelmäßig gewalttätig gegen andere. Dies ergab eine gestern im Bundeskriminalamt (BKA) vorgestellte Studie. Am selben Tag hat ein Realschüler in einer Schule in Coburg eine Lehrerin angeschossen und sich selbst getötet.


Während des Unterrichts hat gestern ein Schüler in einer Schule im fränkischen Coburg eine Lehrerin angeschossen und sich selbst getötet. Nach ersten Angaben der Polizei hatte der 16-Jährige in seinem Klassenzimmer an der Realschule II gegen neun Uhr die Waffe aus seiner Hosentasche gezogen und einen Schuss auf seine Klassenlehrerin abgeben. Dieser Schuss verfehlte die Frau nur knapp. Die Schüler flüchteten in Panik aus dem Klassenraum, wie Kripo-Chef Reinhard Müller sagte.
Schließlich sei eine andere Lehrerin zur Tür der Klasse 8a gekommen. Der Achtklässler schoss dieser Frau in den Oberschenkel. Dann ging er zu seinem Rucksack, holte eine zweite Waffe hervor und schoss sich in den Mund, wurde berichtet. Als die übrigen Schüler daraufhin die Tür wieder öffneten, lag der 16-Jährige blutüberströmt auf dem Boden. Für ihn kam jede Hilfe zu spät.
Das Opfer galt als ruhiger und unauffälliger Schüler. Wie der Achtklässler an die Waffe kam, ist bislang noch nicht geklärt. Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) zeigte sich schockiert über den Vorfall. Nach Angaben Kastners war der Großvater des jungen Schützen Waffensachverständiger der Stadt Coburg. "Wir dachten alle, Amerika und Erfurt wären weit weg", so der Oberbürgermeister.
Als Konsequenz aus dem Schulmassaker von Erfurt im April 2002 hatte die Polizei in Stuttgart den Dreh einen Film zur Verhinderung von Gewalt an deutschen Schulen geplant. Diese Ankündigung des Filmprojektes erhielt gestern traurige Aktualität durch die Ereignisse im fränkischen Coburg.
Der Streifen soll fünf typische Situationen im Schulalltag zeigen, die zu Konflikten führen, teilte die federführende Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes gestern in Stuttgart mit.
Am selben Tag legte das Bundeskriminalamt eine Studie zu Aggressionen Jugendlicher vor. Auch wenn die Gewaltdelikte junger Leute seit 1998 rückläufig sind, bleiben die Zahlen alarmierend: Fast zwei Drittel der Jungen hat in den vergangenen sechs Monaten einen Mitschüler geschlagen oder getreten. Das ergab die gestern vorgestellte Studie der Universität Erlangen-Nürnberg im Auftrag des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden. Etwa fünf Prozent der Schüler bedrohen oder beschimpfen andere regelmäßig. Gewalt an der Schule reicht vom Mobbing der Mitschüler über Beschimpfungen, Ausgrenzen, Erpressen, das Klauen von teuren Klamotten bis hin zu Schlagen und Treten. Die Öffentlichkeit erfährt meist nur von spektakulären Gewaltausbrüchen wie dem Amoklauf in Erfurt vor einem Jahr oder der Schießerei gestern in Coburg.
Wie die Studie ergab, sind gewalttätige Schüler oft impulsiv und hätten Probleme, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Obwohl die Täter kaum weniger intelligent als andere Jugendliche seien, hätten sie durchweg schlechtere Noten, müssten öfter eine Klasse wiederholen und schwänzten mehr, so die Forscher.
Die Untersuchung habe jedoch gezeigt, dass Gewalt an Schulen kein isoliertes Problem sei: Vielmehr neigten aggressive Schüler beeinflusst von Familie, Erziehung und brutalen Filmen auch außerhalb der Schule zu Gewalt. Rund fünf Prozent der mehr als 1100 befragten Siebt- und Achtklässler seien häufig Opfer von Aggressionen ihrer Mitschüler, ergab die Studie. Sie zeigten Konzentrationsprobleme, geringes Selbstbewusstsein, waren unbeliebter und neigten zu Angst und psychisch bedingten körperlichen Beschwerden. Wie die Täter seien auch die Opfer keine besonders guten Schüler oder "Streber", ergaben die Forschungen. (dpa/AFP/hoe)