8134 Menschen leben in dem Zeltlager, das in der Provinz Aleppo unweit der türkischen Grenze auf den Feldern eines Bauernhofes errichtet wurde. Die Zelte hat ein wohlhabender syrischer Geschäftsmann bezahlt, dessen Vater vor einem halben Jahrhundert einmal mehrere Monate lang Präsident von Syrien war.

Seit Beginn des Aufstandes gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad im März 2011 haben etwa drei Millionen Syrer Zuflucht im Ausland oder in vermeintlich sichereren Gebieten in Syrien gesucht. Die meisten der rund 607 000 Flüchtlinge leben in Lagern in Jordanien, im Libanon und in der Türkei. Die Zahl der Vertriebenen, die in Lagern in Syrien auf ein Ende des Bürgerkrieges warten, wird auf etwa 2,5 Millionen geschätzt.

Die türkisch-islamische IHH gehört zu den wenigen Hilfsorganisationen, die auch innerhalb Syriens arbeiten. "Der Bedarf an Hilfsgütern ist enorm. Wir tun, was wir können, aber auch die Vereinten Nationen und andere Organisationen sollten vor Ort sein", sagt IHH-Vizepräsident Hüseyin Oruc.

Seitdem die Rebellen mehrere Grenzübergänge in die Türkei kontrollieren, ist der Zugang zu einigen Gebieten, in denen die Hilfsbedürftigen leben, zwar leichter geworden.

Gefährlich ist es in den Bürgerkriegsgebieten aber immer noch. Dass die Außenminister der Staaten der Arabischen Liga an diesem Sonntag erstmals über die Flüchtlingshilfe beraten, geht auf einen Vorschlag der Libanesen zurück. Denn je länger der Konflikt in Syrien andauert, desto mehr werden die rund 194 000 Flüchtlinge im Libanon zu einer innenpolitischen Belastung. Denn einige libanesische Parteien stehen auf der Seite der Rebellen, während die schiitische Hisbollah das Regime unterstützt. Da die schiitischen Parteien im Irak ebenfalls mit dem syrischen Regime sympathisieren, hatten die Flüchtlinge anfangs keine Möglichkeit, im Irak Zuflucht zu suchen. Inzwischen hat sich das jedoch geändert. Zwei Drittel der Flüchtlinge sind Kurden, die in Lagern im nordirakischen kurdischen Autonomiegebiet untergekommen sind. Dass die Hilfe oft nicht reicht, hat auch mit der politischen Entwicklung in Syrien zu tun. Es hat viele potenzielle Spender misstrauisch gemacht, dass auf der Seite der Rebellen auch einige islamistische Brigaden kämpfen.

Sie haben Angst, dass ihre Geldspenden für Decken und Nahrungsmittel stattdessen zum Kauf von Waffen verwendet werden und gar nicht bei den Bedürftigen ankommen.