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"Bitterer Tag": AfD-Erfolg schockiert in Potsdam und Dresden

Brandenburgs CDU-Landeschef Ingo Senftleben.
Brandenburgs CDU-Landeschef Ingo Senftleben. FOTO: dpa
Potsdam/Dresden. Wie im Bund ist die CDU in Brandenburg die stärkste Kraft. Besser als deutschlandweit schneidet wie auch in Sachsen die rechtspopulistische AfD ab. Sascha Klein, Benjamin Lassiwe und Jörg Schurig

Die AfD hat in Ostsachsen mit einem extrem starken Ergebnis der bis dahin unangefochtenen CDU nahezu den Rang abgelaufen. Sowohl im Wahlkreis Bautzen I als auch im Wahlkreis Görlitz liegt die AfD kurz vor Ende der Auszählung bei den Zweitstimmen klar vor der CDU. Dabei geht es jeweils um mehrere Tausend Stimmen. Im Kreis Görlitz wurde Bundestagsmitglied Michael Kretschmer (CDU) von seinem AfD-Widersacher Tino Chrupalla, Malermeister aus Weißwasser, aus dem Deutschen Bundestag gekegelt.

Der Görlitzer ist nicht über die CDU-Landesliste abgesichert. Genauso eng ging es im Wahlkreis Bautzen I zu. CDU-Mann und Favorit Roland Ermer liegt kurz vor Ende der Auszählung noch immer hinter AfD-Kandidat Karsten Hilse - einem Polizisten aus Lohsa - zurück. Hilse sagte gegenüber der RUNDSCHAU, er habe gehofft, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen im Wahlkreis Bautzen I gibt. Damit gerechnet habe er aber nicht.

Auch Brandenburg ist die Erschütterung groß: "Das ist ein bitteres Ergebnis", sagt Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der nach Bekanntgabe der Zahlen vor die Presse tritt. Die SPD habe "gute Arbeit in der Großen Koalition" geleistet, dies habe ihr bei den Wählern aber offenbar nicht geholfen. Auswirkungen auf die Landespolitik sieht der Ministerpräsident aber nicht.

Das Ergebnis der AfD nannte Woidke "bitter". SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz bezeichnete den deutlichen Einzug der AfD in den Bundestag neben den Verlusten der SPD als schmerzlichstes Ergebnis des Abends.

Einige Kilometer weiter, in einem Geschäft gegenüber dem Potsdamer Rathaus, ist die Stimmung ausgezeichnet. Die FDP ist wieder im Deutschen Bundestag und die Potsdamerin Linda Teuteberg ist als Spitzenkandidatin sicher im Parlament. Sie freut sich, dass ihre Partei als "starke Kraft in den Bundestag eingezogen ist." Ob es zu einer Regierungsbeteiligung kommt, werde sich erst später zeigen. Im Laden steht auch Martin Neumann. Der Vetschauer hatte Listenplatz zwei - und muss noch zittern. Wenn die FDP in Brandenburg auf sechs oder sieben Prozent der Stimmen käme, hätte er bei knapp über zehn Prozent im Bund eine echte Chance.

Wieder anders die Stimmung bei der Brandenburger CDU. Im Garten ihrer Parteizentrale haben die Christdemokraten Büfett und Festzelt aufgebaut. "Wir haben klar die Wahl gewonnen, auch wenn wir uns ein besseres Ergebnis gewünscht hätten", sagt Spitzenkandidat Michael Stübgen. Welche Koalition die bessere für Brandenburg ist? "Mir wäre es lieb, wenn sich die SPD bei allem Verständnis für ihre Frustration an ihre staatspolitische Verantwortung erinnern würde", sagt Stübgen. Landeschef Ingo Senftleben betont, dass man mit Abstand stärkste Partei sei, und das Wahlziel erreicht sei. "Jamaika ist eine Möglichkeit, sich mit neuen Ideen das Land besser aufzustellen für die Zukunft", sagt Senftleben. Am wichtigsten sei die Frage, wie viel vom eigenen Programm in die neue Koalition eingebracht werden könne.

Die AfD ist im Osten Deutschlands zweistärkste Partei geworden, erreichte dort mehr als 20 Prozent der Stimmen. Wahlsieger ist auch im Osten die Union, die Linke landet auf Rang drei, gefolgt von der SPD. Die FDP hat auch im Osten klar die Fünf-Prozent-Hürde genommen, ebenso die Grünen.

In Sachsen haben die Ergebnisse unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Während sich AfD-Chefin Frauke Petry "riesig" über den Einzug ihrer Partei ins Parlament freute, sprach SPD-Landeschef Martin Dulig von einem bitteren Tag.