Fraktions-Geschäftsführer Heinz Vietze erklärte, man werde Bisky so unterstützen, dass er die Doppelfunktion schultern könne. Dies habe im Übrigen schon einmal acht Jahre funktioniert, bis Bisky 2000 den Bundesvorsitz abgegeben habe.
Die Abgeordnete Dagmar Enkelmann hatte am Mittwoch ihre Bereitschaft erklärt, den Fraktionsvorsitz bei einem Wechsel Biskys nach Berlin zu übernehmen. Enkelmann ist auch als mögliche Spitzenkandidatin der PDS bei der Landtagswahl 2004 im Gespräch. Dem Vernehmen nach hat ihr Vorstoß in Teilen der PDS Irritationen ausgelöst. Bisky sei erst vor einem halben Jahr wieder als Fraktionschef bestätigt worden. Es gebe überhaupt keinen Grund, jetzt eine Nachfolge-Debatte auszulösen, hieß es, zumal er noch nicht einmal als Bundesvorsitzender gewählt sei. Auch die frühere PDS-Landeschefin Anita Tack, die sich wiederholt für eine Erneuerung an der Fraktionsspitze ausgesprochen hatte, hält dies "im Augenblick nicht für sinnvoll und richtig". Die "Kraft des Amtes als Fraktionschef" stärke Bisky auch als Bundesvorsitzender, so Tack.
Überdies wird in der PDS kein Hehl daraus gemacht, dass Bisky das "wichtigste Zugpferd" bei den bevorstehenden Kommunalwahlen und bei der Landtagswahl 2004 ist. Die Doppelfunktion bringe Vorteile, heißt es. Allerdings gibt es vor allem unter jüngeren PDS-Genossen auch kritische Stimmen, die den Zeitpunkt für eine Verjüngung der Fraktionsspitze gekommen halten.
Lothar Bisky selbst versuchte gestern den Eindruck zu vermeiden, dass er am Fraktionsvorsitz klebe: "Ich wollte kein Dauerabonnement auf den Fraktionsvorsitz in Brandenburg." Sollte er zum Bundesvorsitzenden gewählt werde, müsse die Fraktion eine Entscheidung treffen. Er befinde sich im Übrigen mit Enkelmann "im hohen Einvernehmen". Bisky bekräftigte frühere Ankündigungen, dass er bei der Landtagswahl 2004 nicht als Spitzenkandidat der PDS kandidieren, sondern sich mit dem Listenplatz sechs begnügen werde. "Dabei bleibt es." Sein wichtigstes Ziel als Bundesvorsitzender sehe er darin, die PDS 2006 wieder in den Bundestag zu bringen.
Der ursprünglich von Bisky selbst als neuer Bundesgeschäftsführer vorgeschlagene Frakti ons vize Heinz Vietze soll ihm den Rücken in Potsdam freihalten. Vietze erklärte gestern, er sehe seine Verantwortung darin, dafür Sorge zu tragen, "dass Bisky seine Doppelbelastung meistern kann". Für ihn komme ein Wechsel nach Berlin nicht in Frage, weil er wichtige Aufgaben in Brandenburg habe, so Vietze. So müsse er "kommende Übergänge" vorbereiten: "wie viel Aufbruch mit welchen Personen." Er werde Bisky aber auch in dessen Funktion als Bundesvorsitzender als Berater erhalten bleiben.