Politik und Gesellschaft haben das Thema Altenpflege nach Ansicht des Bischofs der Evangelischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl, bisher nicht mit der notwendigen Priorität behandelt. "Es rächt sich, dass die ganze Dramatik der Entwicklung lange geleugnet wurde", sagte Bohl. Inzwischen seien zwar alle Verantwortlichen wach geworden, aber eben spät. "Ich hoffe, dass es nicht zu spät ist." Dabei spiele auch die Bezahlung natürlich eine gewisse Rolle.

"Wir müssen auch bereit sein, die entsprechenden Löhne und Gehälter zu zahlen", sagte der Bischof. "Was mir große Sorgen macht, ist die Frage des Nachwuchses in den pflegerischen Berufen." Es sei bereits eine enorme Herausforderung, genug junge Menschen gerade für die Altenpflege zu motivieren. "Es hat ja ein regelrechter Kampf um die Azubis eingesetzt", fügte er hinzu.

In diesem Rennen um den Nachwuchs werde es für die Altenhilfe nicht leicht, mitzuhalten. "Der Beruf ist sehr schwer, verlangt den Jugendlichen sehr viel ab." Dabei sei es ein helfender Beruf, der auch eine tiefe Erfüllung bieten könne mit dem Wert des Dienstes am Mitmenschen. "Also werden wir uns bemühen, die Heil- und Pflegeberufe für Jugendliche attraktiv zu machen." Bohl kritisierte generell den Umgang mit den alten Menschen in Deutschland. "Dabei steht die Gesellschaft erst am Anfang der demografischen Krise, wir spüren jetzt die ersten Auswirkungen", sagte er. "Man muss nüchtern sehen, dass die eigentlichen Herausforderungen noch auf uns warten."

So gehe die demografische Schere weiter auseinander. "Die Zahl der Alten wird steigen, auch der Hoch- und Höchstbetagten, und die Zahl der Jungen, die für sie sorgen können, wird weiter zurückgehen", erklärte er.