Während einer Grundsatzrede in der Berliner Friedrichstadtkirche plädierte er gestern für ein Familienbild, das von "Liebe und Freiheit, Verlässlichkeit und Verantwortung" geprägt werde. Anstatt über das Auslaufmodell Familie zu reden, sei es Zeit für einen Neuansatz: Familien sollten Vorbilder finden, Unterstützung erhalten und zum eigenen Weg ermutigt werden. Die Förderung von Familien sei eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft. Keine professionelle Sozialarbeit könne sie ersetzen.
Der Bischof forderte einen "Institutionen-TÜV", der etwa Sozialgesetze und Tarifverträge auf ihre Wirkung für Familien überprüfen solle. Nötig sei auch ein langfristiger und wirksamer Kündigungsschutz für Frauen nach der Geburt. Falsch sei es, wenn für die Scheidung einer kinderlosen Ehe künftig schon eine notariell beglaubigte Einverständniserklärung ausreiche. Dadurch werde die "rechtlich geschützte Lebensgemeinschaft auf Zeit" eingeführt. Ebenso kritisierte Huber Pläne, das Nachzugsalter für ausländische Ehepartner auf 21 Jahre zu erhöhen. Er befürchte, dass dadurch keine Zwangsehen verhindert, sondern nur der Zeitpunkt des Zusammenziehens verschoben werde. Da diese Regelung auch freiwillig verheiratete Paare beträfe, sei sie mit dem Schutz von Ehe und Familie nur schwer vereinbar.
Ferner plädierte Huber für einen "besser gelingenden Lebensschutz" in Deutschland: Im Jahr 2005 seien in Deutschland 676 000 Kinder geboren worden. Hätten sich alle Abtreibungen vermeiden lassen, wären es mehr als 800 000 gewesen. "Hinter solchen statistischen Zahlen verbergen sich stets individuelle Schicksale", so Huber. "Aber, dass sich in unserer reichen und auch mit Hilfsmöglichkeiten gut versorgten Gesellschaft nicht mehr Schwangere zum Austragen ihres Kindes entschließen, ist nicht hinzunehmen."