Bischof Dr. Dröge, zum wiederholten Male beschäftigt sich die Landessynode mit dem Thema Energie. Warum schon wieder dieses Thema?

Auf der Frühjahrstagung unserer Synode geht es vor allem darum, dass wir seitens der Landeskirche einen Fonds von zwei Millionen Euro aufgelegt haben, aus dem wir eine fachliche Beratung etwa für die energetische Sanierung von Gebäuden in Kirchengemeinden und deren inhaltliche Begleitung anbieten wollen. Deswegen beschäftigen wir uns jetzt noch einmal als Synode mit dem Thema Energie.

Wie schätzt die Kirche die aktuelle Energiedebatte in Brandenburg ein?

Wir finden es gut, dass Brandenburg als Bundesland vorangeht, wenn es um moderne Technologien für erneuerbare Energien geht. Zum Energiepapier 2030 der Landesregierung haben wir uns allerdings auch kritisch geäußert - wir fragen uns, ob dort hinreichende Alternativen zur Braunkohle vorgesehen sind. Als Kirche vertreten wir die Position, dass ein Einstieg in den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung erfolgen soll. Das erfordert natürlich auch langfristige Konzepte, wie die Braunkohleregionen umstrukturiert werden. Wir haben das Gefühl, dass die Brückentechnologie Braunkohle eine zu lange Brücke werden soll - und Brücken, die zu lang sind, sind nicht mehr stabil.

Dennoch hat die Zukunft der Kohle wenig mit Glauben zu tun - warum beschäftigt sich die Kirche ständig damit?

Ich werde in meinem Wort des Bischofs auf die nachhaltige Ethik eingehen: Wir glauben an Gott den Schöpfer, der die Welt bewahrt. Und wenn wir selbst auf ihn vertrauen, dann dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen: Wir sind selbst aufgerufen, kreativ und aktiv tätig zu werden, um die Schöpfung zu erhalten. Deswegen gehört es zum Zentrum unserer Verkündigung, uns für gute Lebensmöglichkeiten in dieser Welt einzusetzen. Auch die noch nicht geborenen Generationen müssen das Recht haben, in einer Welt zu leben, in der genügend Ressourcen vorhanden sind. Und deshalb beschäftigt sich auch die Kirche mit Themen wie Ökologie und Energie.

Wie schätzen Sie denn die Rolle der Kirche in Brandenburg ein?

Ich habe den Halbzeitbericht der Brandenburger Landesregierung aufmerksam gelesen. Und ich musste mit Bedauern feststellen, dass in diesem Bericht die Kirche so gut wie nicht vorkommt - obwohl Staat und Kirche in vielen Bereichen gut zusammenarbeiten. Denken Sie an die alten Kirchengebäude, die Dorfkirchen, bei deren Erhalt wir vom Land Brandenburg unterstützt werden. Außerdem sind wir als Kirche eine der wenigen Organisationen, die noch flächendeckend im Land präsent sind - und wenn ich am Sonntag in Fürstenwalde junge Pfarrer ordiniere, freue ich mich, dass gut die Hälfte von ihnen anschließend eine Gemeinde in Brandenburg übernimmt.

Verfehlt haben Sie Ihre Ziele bei den freien Schulen. Die Sparmaßnahmen der Landesregierung bleiben - wie geht die Kirche jetzt damit um?

Sie haben Recht, wir sind zum Schluss nicht übereingekommen mit der Landesregierung. Uns ist es wichtig, dass die freien Schulen ein konstitutives Element der Bildungslandschaft sind. Sie sind kein Zusatz, den man sich mehr oder weniger erlaubt. Unser vom Grundgesetz her vorgesehenes Bildungssystem möchte, dass freie Schulen aus zivilgesellschaftlichem Engagement entstehen. Sie garantieren eine Vielfalt in der Bildungslandschaft. Ich habe den Eindruck, dass diese Position in der Landesregierung nicht wirklich akzeptiert ist. Und weil wir mit der Form der Refinanzierung der freien Schulen nicht zufrieden sind, stehen nun Klagen und Gerichtsverfahren an. Denn es muss geklärt werden, welche Rolle die freien Schulen im Land haben sollen.

Könnte die Kirche denn die Kürzungen aus eigenen Mitteln kompensieren?

Das können wir nicht, weil wir die Schulstiftung schon bei ihrer Einrichtung bis an den Rande unserer Möglichkeiten ausgestattet haben. Angesichts der gesamten Finanzsituation unserer Kirche sind weitere Aufstockungen ausgeschlossen - zumal wir im Land Brandenburg ja auch Teile des Religionsunterrichts finanzieren müssen. Während in den alten Bundesländern der Religionsunterricht als ordentliches Schulfach zu 100 Prozent vom Staat finanziert wird, müssen wir in Berlin und Brandenburg Teile davon selbst bezahlen.

Werden kirchliche Schulen geschlossen werden müssen?

Das halte ich für denkbar. Die Schulen werden durch die geringere Refinanzierung nun in die schwere Lage versetzt, den Elternbeitrag anheben zu müssen. Und in Brandenburg sind viele Familien nicht in der Lage, einen höheren Elternbeitrag zu bezahlen. Sie zahlen oft nur den Mindestbeitrag. Wenn nun die Schulbeiträge angehoben werden müssen, kann es sein, dass sich manche freien Schulen nicht mehr finanzieren können, und Schulschließungen nötig werden. Aber natürlich hoffen wir, dass dies nicht nötig sein wird.

Sie sprachen bereits den Religionsunterricht an. Wie sieht es denn dort bei den Teilnehmerzahlen aus? Haben die Brandenburger an dem Schulfach überhaupt Interesse?

Ich bin sehr dankbar, dass wir beim Religionsunterricht in Brandenburg im aktuellen Schuljahr 2.000 Schüler mehr als vor einem Jahr haben. Insgesamt nehmen nun 33.712 Schüler am Religionsunterricht teil - gut zehntausend mehr als etwa vor acht Jahren. Und der Prozentsatz der Schüler, die am evangelischen Religionsunterricht teilnehmen, ist in Brandenburg in den letzten Jahren von neun auf sechzehn Prozent gestiegen.

Wir erklären Sie sich das?

Ich denke, dass immer mehr Eltern und Schüler ein Bewusstsein dafür entwickelt haben, dass an den Schulen Wertebildung wichtig ist. Und ich denke, dass der Religionsunterricht im Land einen guten Ruf hat: Dort haben Schüler die Möglichkeit, christliche Traditionen kennenzulernen und den interreligiösen Dialog einzuüben. Schülerinnen und Schüler, die regelmäßig am Religionsunterricht teilnehmen, können ihren eigenen Glauben besser verstehen - und sie können auch einen anderen Glauben besser verstehen und reflektieren. Und in einer Zeit, in der Salafisten Korane in den Innenstädten verteilen, ist das durchaus eine wichtige Kompetenz.

Haben Sie denn genug Lehrer, um auf das gesteigerte Interesse reagieren zu können, und an allen Brandenburger Schulen Religionsunterricht anbieten zu können?

Wir müssen auch bei den Religionslehrern mehr auf den Nachwuchs achten, und junge Menschen dazu motivieren, ein Studium der Religionspädagogik aufzunehmen. Das Hauptproblem, das wir beim Religionsunterricht haben, ist aber ein Finanzielles: Wir haben nicht die Mittel, um überall dort Religionsunterricht anzubieten, wo es notwendig und gewünscht wäre. Wir haben nur einen bestimmten Etat, um den Kostenanteil aufzufangen, der vom Land nicht übernommen wird. Deswegen gibt es Schulen, an denen wir nicht so präsent sein können, wie wir es gerne möchten. Hier stoßen wir als Kirche einfach auch an unsere Grenzen.