Binnenschiffer und Wassertouristen sind auch in Brandenburg vom bundesweiten Schleusenstreik betroffen. Vom heutigen Donnerstag an bis Samstag sollen nach Angaben der Gewerkschaft verdi alle Schleusen rund um die Hauptstadt bestreikt werden.

Somit können auch keine Transportschiffe sowie Ausflugsboote durch die Brandenburger Schleusen in Kleinmachnow, Woltersdorf, Wernsdorf, Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt fahren, die alle vom Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin (WSA) verwaltet werden. Im Norden Brandenburgs muss nur heute mit Behinderungen gerechnet werden.

Der Tarifkonflikt betrifft 12 000 Beschäftigte der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Die Brandenburger Wasser- und Schifffahrtsämter haben mit der Gewerkschaft verdi eine Vereinbarung geschlossen, um den Notbetrieb der Schleusen und Wehre zu sichern. Das gelte zum Beispiel für Blaulichteinsätze und bei Hochwasser, sagte Hans-Jürgen Heymann, Leiter des WSA Eberswalde (Barnim).

Zu dem Bereich gehören das Schiffshebewerk Niederfinow sowie Schleusen in Lehnitz, Hohensaaten und Schwedt/Oder, die für die Binnenschifffahrt wichtig sind. Außerdem könnten Bootsfahrer in der Oberen Havel-Wasserstraße und in der Müritz-Havel-Wasserstraße von der Arbeitsniederlegung betroffen sein. "Welche Schleusen bestreikt werden, wissen wir nicht", bemerkte Heymann.

"Wer mit dem Boot etwa von Berlin aus zur Müritz will, muss durch die Schleuse Lehnitz. Wenn diese wegen Streiks gesperrt ist, müssen die Touristen dort leider bis Freitag warten."

Der angekündigte Streik hat ebenfalls Konsequenzen für den Binnenhafen Königs Wusterhausen bei Berlin, wo täglich etwa 3000 Tonnen Fracht umgeschlagen werden. "Da alle Schleusen zwischen dem Teltow-Kanal und dem Oder-Spree-Kanal bestreikt werden sollen, würde der Schiffsverkehr drei Tage lang zum Erliegen kommen", sagte der Hafenleiter Michael Fiedler.

"Dann können zum Beispiel Baustoffe für die Industrie und Getreide hier nicht mehr gelöscht werden. Dieser Streik trifft die Falschen, nämlich die Indus-trie", kritisierte Fiedler. Da aber an dem Standort Frachten auch per Zug und Lastwagen umgeschlagen würden, könnten die Streikfolgen gemildert werden.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt in Brandenburg/Havel rechnet für nächste Woche mit Streiks, wie dessen Leiter Joachim Abratis sagte. Das Amt ist zuständig für den Elbe-Havel-Kanal, die Untere Havel-Wasserstraße und für den Havelkanal.

Seit mehr als zwei Wochen werden in verschiedenen Regionen Deutschlands Schleusen be streikt, was zu Wartezeiten führt. Verdi reagiert damit auf den Umbau der Verwaltung, bei dem bundesweit 3000 Stellen wegfallen könnten.

Die Gewerkschaft will für die Schleusenwärter und anderen Verwaltungsangestellten einen Tarifvertrag durchsetzen, der unter anderem Entlassungen ausschließt. Verdi rief Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in der vergangenen Woche auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Zwei Verhandlungsrunden waren zuvor gescheitert.