Das geht aus Abschriften der Aufzeichnung hervor, die amerikanische Geheimdienstexperten nach eingehender Prüfung für echt erklärt haben. Danach enthält die Videobotschaft zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 aber keine direkte Drohung mit neuen Terrorattacken.
Die "Washington Post" zitierte gesteren US-Geheimdienstbeamte mit den Worten, Bin Laden habe mit dem Video vor allem zeigen wollen, dass er und die Al Qaida den Antiterrorkrieg überlebt hätten und trotz Rückschlägen stark seien. Das Netzwerk operiere weitgehend wieder so wie vor den Anschlägen vom 11. September. Es gebe eine feste Führungsgruppe, die sich regelmäßig treffe und Bin Laden Bericht erstatte.
Bush sieht sich unterdessen durch die Äußerungen Bin Ladens in seinem Irak-Kurs und in seinem Kampf gegen Al Qida bestärkt. "Die Videoaufzeichnung ermahnt uns, dass wir in einer gefährlichen Welt leben und dass wir zusammenarbeiten müssen, um uns zu schützen", sagte Bush am Samstag am Rande des Gipfels der Pazifik-Anrainerstaaten im australischen Sydney. Die Tatsache, dass der Irak auf dem Tonband erwähnt werde, zeige, dass der Irak Teil des "Krieges gegen die Extremisten" sei, sagte Bush. "Wir müssen unsere Entschlossenheit demon strieren. . ."
Die am Freitag vom arabischen Sender Al-Dschasira und in Auszügen im US-Fernsehen ausgestrahlte "Botschaft an das amerikanische Volk" ist etwa 25 Minuten lang. Sie zeigt nach Expertenanalysen einen sichtbar gealterten, möglicherweise gesundheitlich angegriffenen Bin Laden mit offensichtlich schwarz gefärbtem Bart. Die Aufzeichnung enthält viele Bezüge zu politischen Entwicklungen in diesem Sommer, wie etwa die Führungswechsel in Großbritannien und Frankreich. Das deute darauf hin, dass die Botschaft erst vor kurzem entstanden sei, vermutlich im August. Es zeige auch, dass Bin Laden die Entwicklungen im Westen genau verfolge.
Den Abschriften zufolge prangert der Al-Qaida-Führer zwar hauptsächlich Bush an - und dies zum Teil mit unverhohlenem Spott. Er kritisiert aber auch das Verhalten der Demokraten, die sich nach seinen Worten nicht genügend gegen den Irak-Kurs zur Wehr setzten. (dpa/ta)