Von Ulrich Thiessen

Erst die gute Nachricht: In Blumberg (Barnim) wird mit Schuljahresbeginn eine neue Fachoberschule in freier Trägerschaft eröffnen. Die Docemus Privatschulen betreiben auf dem Campus bereits eine Oberschule und ein Gymnasium, die um die Fachoberschule erweitert werden. Es ist laut Auskunft des Bildungsministeriums die einzige freie Schule, die bisher fürs Schuljahr 2019/20 genehmigt wurde.

Allerdings, so ein Sprecher, gebe es weitere Anträge, die noch nicht abgelehnt wurden. Zu den Antrag­stellern und den Schulstandorten machte er keine Angaben. Das ist umso erstaunlicher, weil das Schuljahr am 5. August beginnt und man sich nur schwer in Eltern und Lehrer hineinversetzen kann, die zwei Wochen vorher noch im Unklaren sind, wie es weitergehen soll.

Detlef Hardorp, Sprecher der Waldorfschulen in Berlin und Brandenburg, berichtet, dass zwei neue Waldorfschulen in diesem Spätsommer an den Start gehen wollten. Die Anträge auf Zulassung hätten vor 18 Monaten im Ministerium eingereicht werden müssen. Dann sei 13 Monate lang nichts passiert. Im Juni seien dann Nachforderungen gestellt worden. In Eberswalde seien wegen des langen Schwebezustandes die Lehrer abgesprungen. Das Schulprojekt musste seinen Antrag zurückziehen und hofft auf eine Genehmigung zum Schuljahr 2020/21.

Die zweite Waldorfschule in Mühlenbecker Land (Oberhavel) kämpft noch um die Errichtung einer ersten Klasse. Sie hat Probleme mit ihrem künftigen Schulgebäude und hofft darauf, dass die Kinder für kurze Zeit in einem Kleinbus zur Waldorfschule nach Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) transportiert werden können, so Hardorp.

Tilo Steinbach, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen im Land Brandenburg, spricht von einer zweistelligen Anzahl von Neugründungen, die durch die Verzögerung in der Bearbeitung in der Schwebe hängen beziehungsweise ihr Vorhaben für dieses Jahr aufgegeben haben. Das Ministerium spricht von weniger als zehn noch nicht entschiedener Fälle.

„Es kann nicht sein, dass die Verwaltung des Bildungsministeriums faktisch politisch agiert und das Engagement der Brandenburger Bürger für Schule so massiv verneint. So wird Frustration erzeugt. Das kann von der Landesregierung nicht gewollt sein, wird aber toleriert und somit Realität – weil diese ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommt“, formuliert Steinbach. Warum es keinen lautstarken Protest gibt, erklärt sich Steinbach damit, dass viele Antragsteller gezwungen sind, in einem Jahr wieder im Bildungsministerium vorstellig zu werden.

Günther Fuchs, Chef der brandenburgischen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, sieht in der Hängepartie auch ein Problem für die öffentlichen Schulen. Die müssen kurzfristig die Schüler aufnehmen, die sich für eine nichtgenehmigte Privatschule eingeschrieben hatten und nun ohne diese dastehen. Auch Fuchs zeigt sich erstaunt, dass die Genehmigungen so lange brauchen. In den Vorjahren sei im Frühjahr klar gewesen, wer zugelassen wird und wer nicht.