Es bleibe beim Fahrplan, dass die Verwaltungsvorschrift zum 1. August 2006 in Kraft tritt. Danach sollen ab 2007 auf den Zeugnissen der 3. bis 10. Klassen das Arbeits- und Sozialverhalten in sieben Kategorien wie Lernbereitschaft, Ausdauer, Verantwortungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Toleranz benotet werden.
Rupprecht reagierte damit auf die Ablehnung der Pläne am Wochenende durch den Landesschulbeirat, dem unter anderem der Landeselternrat, Landeslehrerrat, Schülervertreter, aber auch Kirchen und kommunale Spitzenverbände angehören. Das Betroffenen-Gremium bezweifelt vor allem den pädagogischen Nutzen des Modells an. Andererseits befürworten nach früheren Umfragen die Brandenburger mehrheitlich klar Kopfnoten, die es auch zu DDR-Zeiten gab. Auch aus der Wirtschaft, die mit den Leistungen, aber auch dem Arbeits- und Sozialverhalten von Lehrlingen unzufrieden ist, werden seit Jahren entsprechende Forderungen aufgemacht.
Es werde innerhalb der nächsten vier Wochen ein Einigungsgespräch mit dem Landeschulbeirat geben, sagte Rupprecht. Er betonte, dass an der grundsätzlichen Einführung von Kopfnoten - das sieht der SPD/CDU-Koalitionsvertrag von 2004 vor - kein Weg vorbeiführt. Änderungen seien allenfalls noch in Details möglich, so der Minister. Es sei klares Ziel der Bildungspolitik, den Erziehungsauftrag der Schule zu stärken. Rupprecht wies darauf hin, dass es sich bei dem vom Ministerium jetzt favorisierten Modell um einen "Kompromiss" handelt. Auch der Minister selbst hatte, wie die SPD, trotz der Festlegungen im Koalitionsvertrag einst Vorbehalte gegen Ziffernnoten zum Arbeits- und Sozialverhalten. Um deutlich zu machen, dass es um etwas anderes als um eine Leistungsbewertung geht, reichen die neuen Kopfnoten nur von eins ("hervorragend ausgeprägt") bis vier ("zu wenig aus geprägt"), während für Fachnoten die Skala von Eins bis Sechs gilt.
"Wir wollen beides nicht auf eine Stufe stellen", erläuterte Rupprecht. "Schlechte Ordnung muss man nicht mit einer Sechs bewerten, als wäre es die totale Katastrophe." In der SPD-CDU-Regierungskoalition im Landtag wird das Kopfnoten-Modell, das sich an das bayerische Vorbild anlehnt, unterstützt. Die oppositionelle Linkspartei hingegen lehnt Kopfnoten in Brandenburg ab.