Mit seinen um 180 Grad gedrehten Motiven ist Georg Baselitz weltberühmt geworden. Er gilt als der wohl wichtigste deutsche Nachkriegskünstler. Sammler zahlen Millionenbeträge für seine Werke. Am heutigen Mittwoch wird der Maler 75 Jahre alt.

Schon mit seiner ersten Ausstellung 1963 in der Berliner Galerie Werner & Katz sorgte Baselitz für einen handfesten Eklat: Die Ölbilder "Nackter Mann" (mit einem überdimensionalen Penis) und "Die große Nacht im Eimer" (mit einem onanierenden Jungen) riefen im prüden Westberlin die Sittenwächter auf den Plan. Die Gemälde wurden beschlagnahmt, ein Gerichtsverfahren erst Monate später eingestellt. Unter dem programmatischen Titel "Der Wald auf dem Kopf" entstand 1969 das erste "Umkehrbild". "Ich wollte das Bild aus der fatalen Abhängigkeit zur Wirklichkeit wegbringen", erklärte Baselitz. Die Malerei an sich sollte in den Blickpunkt rücken, unabhängig vom Motiv.

1938 als Hans-Georg Kern im sächsischen Deutschbaselitz geboren (was ihn später zu seinem Künstlernamen inspirierte), war der Lehrersohn bald mit dem sozialistischen Obrigkeitsstaat aneinandergeraten. Nach zwei Semestern musste er das Kunststudium in Ost-Berlin wegen "gesellschaftlicher Unreife" aufgeben. 1958 übersiedelte er in den Westteil der Stadt. Sein späterer Zyklus "Russenbilder" (1998-2005) mit verfremdeten DDR-Propagandabildern ist eine Auseinandersetzung mit dieser Entscheidung.

Von Anfang an widmete sich der Künstler neben der Malerei auch der grafischen und zeichnerischen Arbeit. Ende der 70er-Jahre begann er mit kantig gesägten Holzskulpturen, die in ihrer archaischen Form gelegentlich an afrikanische Kunst erinnern. Seit einigen Jahren setzt er sich auch mit dem eigenen Werk nochmals auseinander: Unter dem Titel "Remix" interpretiert er - oft in überraschend hellen, aquarellartigen Tönen - frühere Bilder neu.

Heute lebt Baselitz in Inning am Ammersee. Seit mehr als 50 Jahren ist er mit seiner Frau Elke verheiratet, die Söhne Daniel Blau und Anton Kern sind erfolgreiche Galeristen.