Von Henning Dommann

Der Sommer 2019 in der Region war wieder einer für die Geschichtsbücher: In Brandenburg wurden deutschlandweit mit 20,6 Grad im Durchschnitt die zweithöchsten Temperaturen gemessen. Sachsen folgt mit 20,1 Grad auf Rang 4 der wämsten Bundesländer. Nach Sonnenscheindauer liegen beide sogar gleichauf mit jeweils rund 810 Stunden laut Auswertung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Doch die Wärme hat auch ihre Schattenseiten: Die Regenmenge lag in beiden Bundesländern erneut weit unter dem bundesweiten Durchschnittswert von 175 Liter pro Quadratmeter. In Brandenburg fielen 135 Litern Regen pro Quadratmeter, in Sachsen nur 130 Liter.


Das hat Folgen für die Fauna, Flora und die Menschen in der Region:

Hitzetote:

Die Folgen des Hitzesommers 2018 treten zum Teil erst jetzt zu Tage. Eine vom brandenburgischen Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene Statistik verdeutlicht nun, welche Auswirkungen die Hitze im vergangen Jahr hatte: die vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg durchgeführte Untersuchung ergab, dass 331 Menschen im Jahr 2018 in Brandenburg in Folge hoher Temperaturen gestorben sind. Das ist laut Ministerium der höchste Wert seit 1985. Die Statistiker hatten die Anzahl der Sterbefälle an den einzelnen Tagen mit den jeweiligen Tagesmitteltemperaturen verglichen. Anschließend untersuchten sie, ob überdurchschnittlich viele Todesfälle auf Hitze zurückgingen.

Gesundheit:

Wie die Zahl hitzebedingter Sterbefälle in diesem Jahr ausfallen wird, kann nur gemutmaßt werden. Die gestiegene Zahl der Hitzetoten im letzten Jahr deckt sich mit der Erkenntnis, dass hohe Temperaturen sowie Temperatursprünge in kurzer Zeit schädlichen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System nehmen können. Dadurch treten in heißen Perioden vermehrt Herzinfarkte auf, sagt Andreas Zeiher, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. In dieser Zeit sorgen Stresshormone im Körper dafür, dass sich die Gefäße verengen und das Blut dickflüssiger wird. Die Gefahr für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhe sich dadurch, erklärt Zeiher.

Niederschläge:

Nach den Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war der Sommer 2019 zwar ebenfalls lang und trocken, nahm aber nicht die Ausmaße des Vorjahres an. In Brandenburg war der Sommer mit 137,1 Millimeter Niederschlag im Mittel feuchter als im vorigen Jahr.

Temperatur:

In Cottbus wurden bisher 32 Hitzetage registriert. Das sind Tage, an denen die Temperatur auf 30 Grad oder mehr steigt. Auch im Vorjahr waren es 32 Tage mit solch hohen Temperaturen.

Allerdings verzeichnete der DWD nur 76 Sommertage und damit weniger Tage mit 23 Grad oder mehr als in 2018. Damit war der diesjährige Sommer insgesamt kürzer. Im Gegensatz zu den alten Bundesländern blieben Hitzerekorde laut dem DWD in Brandenburg aus. Jedoch war der Juni ungewöhnlich warm: in Cottbus wurde die höchste monatliche Mitteltemperatur seit 1888 gemessen.

Böden:

Laut Tobias Geiger von der Abteilung Klima und Umweltberatung des DWD könnte der Hitzesommer 2019 auch Auswirkungen auf die kommenden Jahreszeiten haben. „Die Trockenheit des Vorsommers und dieses Sommers wird sich wohl noch in die folgenden Jahreszeiten übertragen, falls nicht unerwartet große Niederschlagsmengen in den nächsten Wochen und Monaten auftreten.“ Der Dürremonitor des Zentrums für Umweltforschung attestiert Brandenburg und Sachsen nach wie vor eine außergewöhnliche Dürre bis in eine Bodentiefe von 1,8m.

Brände:

Für die brandenburgischen Wälder stellte der Sommer 2019 eine erneute  Belastung dar. Der Landesbetrieb Forst Brandenburg zählte bis jetzt 412 Brände im Land, Bundeswald ausgenommen. Die Brände fanden auf einer Fläche von insgesamt 1352,4 Hektar statt. Den mit Abstand größten Waldbrand gab es in einem Gebiet um Jüterborg. Im Juni brannten hier laut dem Landesforstbetrieb etwa 744 Hektar Wald. Auch die Lieberoser Heide traf es erneut schwer: ähnlich wie in 2018 kam es hier mehrmals zu flächendeckenden Bränden. Zu weiteren schweren Bränden kam es in Eisenhüttenstadt, Märtensmühle und Finsterwalde. Die Anzahl der Brände ist in Brandenburg zwar nicht ganz so hoch wie in 2018, dafür immer noch höher als in den restlichen Jahren der Dekade.

Wälder:

Laut Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg, sei der Schaden durch diese Brände, unabhängig von ihrer Fläche, schon allein wegen der Freisetzung von CO 2 hoch. Der Klimawandel macht die Aussichten für die kommenden Jahre nicht besser: „Damit wird es immer öfter zu Trockenperioden und Hitzephasen im Land kommen, die ein Anstieg der Anzahl von Waldbränden haben werden“, sagt Engel. Die Trockenheit der Sommer in 2018 und 2019 werde laut ihm auch 2020 noch Spuren in den Wäldern hinterlassen. Der hohe Totholzanteil würde in Zukunft auch die Brandlast in den zerstörten Waldgebieten steigern.

Auch in Sachsens Wäldern wüteten in diesem Jahr wieder Brände, wenn auch weniger als in 2018. Insgesamt kam es zu 134 Waldbränden im Land, im Vorjahr waren es 205. Laut Renke Coordes vom Staatsbetrieb Sachsenforst entstand der größte Waldbrand in Gohrischheide Zeithain. Hier hatte sich ein zuvor brennendes Feld zu einem Waldbrand auf 25 Hektar entwickelt. In 2018 war die Situation nicht nur wegen der Anzahl der Brände angespannter: ähnlich der Lieberoser Heide in Süd-Brandenburg waren auch in Sachsen Brände auf munitionsbelasteten Flächen in der Königsbrücker Heide ausgebrochen.

Obwohl die Schäden durch Brände in 2019 etwas geringer als im Vorjahr sind, stehen die Wälder in Sachsen weiterhin unter Druck: laut Renke Coordes ist die Brandlast in den Wäldern durch das viele Totholz für die kommenden Jahreszeiten besonders hoch, zusätzlich sind die Böden durch die beiden trockenen Sommer ausgedörrt. Coordes sieht für die nächsten Jahre in Hinsicht auf den Waldbrandschutz auch die Bevölkerung in der Pflicht: die Waldbrände entstehen laut ihm überwiegend durch menschliche Fahrlässigkeit.

Landwirtschaft:

Auch die Landwirtschaft hatte in diesem Jahr, ähnlich wie in 2018, mit der anhaltenden Dürre zu kämpfen. Wie die RUNDSCHAU kürzlich berichtete melden die Landwirte in Brandenburg und Sachsen hohe Ernteausfälle bei Getreide und ein unterdurchschnittliche Ertragsniveau aufgrund der anhaltenden Dürre. Kartoffeln und Äpfel werden in den Supermärkten durch zunehmende Importe zwar nicht teurer, sind durch die Trockenheit aber deutlich kleiner. Der Gartenbauverband Berlin-Brandenburg rechnet mit der schlechtesten Apfelernte seit 8 Jahren. Auch der Landesverband Sächsisches Obst sagt, man könne die erhöhte Nachfrage nach regionalen Produkten in diesem Jahr nicht im erforderlichen Umfang bedienen.

Gewässer:

In der Lausitz ist der Wasserstand in vielen Flüssen und Seen seit letztem Jahr durchgehend niedrig. Besonders Brandenburg traf die durchgehende Trockenheit schwer. Die RUNDSCHAU im berichtete im August, dass das brandenburgische Umweltministerium die Bürger zu mehr Sparsamkeit im Umgang mit Wasser auffordere. Zu viel Wasser werde für die Bewässerung der Gärten verbraucht. Im Sommer durfte zeitweise kein Wasser aus Flüssen und Seen in Südbrandenburg entnommen werden. In der Gegend um Senftenberg war die Dürre besonders zu spüren: die schwarze Elster lag hier selbst im September in einzelnen Abschnitten komplett trocken.

Bildergalerie Lotte und die Sonne. Foto: Tobias Budich

Cottbus/Bad Muskau

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