Erinnerung könne vergolden, aber auch dramatisieren, abhängig von jedem Einzelnen. Eine Vergoldung der Erinnerung an die DDR geschehe unter Einschluss damaligen Nichtwissens. "Man muss die Leistungen von den ärgerlichen Bedingungen unterscheiden."

In der Ringvorlesung "Wie schmeckte die DDR?" beschäftigen sich 16 Vorträge bis zum 3. Februar 2009 mit dem Leben in der DDR. "Die Schlussbilanz zur Geschichte der DDR wird späteren Generationen bleiben", sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Eine objektive Geschichtsschreibung gebe es noch nicht, die Aufarbeitung sei noch nicht abgeschlossen. Nötig sei eine ehrliche Erinnerung, "mit einem lachenden Auge auf privates Glück". Er warnte davor, sich nur an das Positive zu erinnern, auch wenn das ein "allzu menschliches Verhalten" sei.

"DDR waren Tote an der Mauer, Spitzeleien der Stasi und tägliche Wut über ein System, das seine Menschen nicht frei leben ließ." Dies dürfe beim Rückblick nicht vergessen werden. "Die DDR-Vergangenheit ist mehr als die Geschichte eines politischen Unrechtssystems." In den Betrieben habe Mangel geherrscht, aber auch Stolz, etwas geschafft zu haben. "Es ist verfehlt, wenn Biografien diskreditiert werden." Auch die Menschen hier hätten eine Lebensleistung erbracht, wie die Deutschen im Westen. Nur ohne einseitige Verklärung zeichne sich ab, was seit der friedlichen Revolution geleistet worden sei. "Wir leben in einem friedlichen und vereinten Deutschland in Europa." In einer Demokratie sei jeder aufgerufen, zu kritisieren und seine Ideen einzubringen. "Daran ist zu sehen, was wir seit 1989 gewonnen haben: unsere persönliche und politische Freiheit." dpa/bw