K äse mit Biergeschmack, Mango-Schoko-Sushi, Kürbiskernpresskuchenmehl oder Speckcreme aus dem Glas: Bei der weltgrößten Ernährungsmesse „Anuga“ zeigen 6600 Anbieter aus 100 Ländern, was sie sich Neues ausgedacht haben. Fingerfood, Feinkost, Tiefkühlwaren, koschere Produkte, Regionales, Exotisches, Bio-Essen und Getränke werden aufgetischt. Zugleich wirbt die Ernährungsbranche aber – nach Lebensmittelskandalen, Ekel-Berichten und der Ehec-Krise – auch um Vertrauen beim verunsicherten Verbraucher.

Im Fokus der fünftägigen Fachschau, die am heutigen Samstag in Köln beginnt, stehen Convenience-Produkte, die zu eiligen Menschen in hektischen Zeiten passen, weil sie blitzschnell und einfach zuzubereiten sind. So bietet ein Hersteller aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück einen Burger zum Toasten. Die Rindfleischscheiben sind schon vorgebraten, die Brötchen vorgeschnitten, eine Grifftasche macht Teller überflüssig. „Das ist einfach superpraktisch, man macht die Küche nicht dreckig und braucht keine Pfanne“, sagt Firmensprecher Sven Tönjes. Unter den Getränken finden sich Essig-Erfrischungsdrinks, koreanischer Bio-Bambustee oder Kokoswassermischungen. Bei den Gewürzen fallen rotes Flüssigsalz aus Hawaii mit hohem Eisengehalt und – ab 2012 erhältlich – Kokosblütenzucker mit viel Kalium auf.

Viele Neuheiten machen klar, wie sehr sich der Mensch von der Natur entfernt hat. Wer bei Obst an Apfel oder Banane auf die Faust denkt, ist bei der „Anuga“ überrascht: Da steckt „Obst to Go“ in einer Box in 150-Kalorien-Einheiten oder kommt geliert oder püriert in der Plastikpackung daher. Auch „Free-From-Produkte“ seien gefragt, sagt Peter Grothues von der Koelnmesse. Also Angebote etwa ohne Zucker, ohne Fett, ohne Gluten oder ohne künstliche Aromen.

Themen der Messe – Partnerland ist diesmal Italien – sind aber auch die drastische Verschwendung von Lebensmitteln sowie Gesundheit und Qualität. Deutschland sei eine Überfluss- und Wegwerfgesellschaft bei Nahrungsmitteln – 6,6 Millionen Tonnen werfen die Verbraucher alljährlich in den Müll, bilanziert eine repräsentative Studie des Marktforschungsinstituts The Consumer View (Bremen) und des Folienherstellers Cofresco. Damit lande mengenmäßig jeder fünfte Einkauf im Abfall. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) der entsorgten Nahrungsmittel hätten aber bei besserer Lagerung und Planung durchaus noch verzehrt werden können.

Eine oft negative Berichterstattung über Lebensmittel habe zudem viele Konsumenten verunsichert, sagt Sabine Eichner von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Drei Viertel von 30 000 befragten Haushalten wollten strengere Kontrollen, nur 18 Prozent vertrauen der Lebensmittelindustrie in Sachen Qualität.

„Hier sehen wir einen klaren Auftrag für unsere Branche“, betont Eichner. Industrie und Handel müssten Versäumnisse vor allem bei Information und Aufklärung aufarbeiten. Berichte über Gammelfleisch, Dioxin-Eier, Ehec-Keime, Analogkäse, Allergene oder zweifelhafte künstliche Farbstoffe liegen so manchem Verbraucher noch schwer im Magen.

Die Branche hat zudem an hohen Rohstoffpreisen zu knabbern. Sie sind der Hauptgrund für Preissteigerungen von rund drei Prozent in den ersten neun Monaten 2011. Der Appetit auf die eher teuren Bio-Lebensmittel wächst dennoch weiter, laut Koelnmesse aber nicht mehr so kräftig. Dafür sei der Heißhunger auf Tiefkühlkost ungebrochen. Der Konsum von Fleisch mit 60 Kilogramm pro Verbraucher im Jahr nimmt nicht mehr nennenswert zu.