Wasser kam nicht auf den Tisch, eine richtige Maß Bier wollte Matthias Platzeck haben. Seine Premiere bei den Genossen in Bayern zum politischen Aschermittwoch war deutlich, aber nicht zu deftig. Er sei leidenschaftlicher Bergsteiger, betonte er gleich zu Beginn seiner Antrittsrede im traditionsreichen Wolferstetter Keller im niederbayerischen Vilshofen. Da der höchste Berg Brandenburgs aber nur 200 Meter messe, komme er schon seit Jahren nach Bayern. "Es ist ein wirklich wunderschönes Land, euer Bayern", sagte Platzeck.
Die bayerischen Genossen hatten mit Spannung auf den "Preiß'n" gewartet. Rappelvoll war die ehemalige Aschermittwochshochburg der CSU. Mehr als 700 SPD-Anhänger wollten Platzeck bei Weißbier, Fischsemmel und Weißwurst lauschen. Viele mussten wieder kehrtmachen, weil der Saal überfüllt war. Selbstbewusst und mit Humor trat der Potsdamer auf. "Ich bin ein bekennender Ostdeutscher", rief er in den biergeschwängerten Saal. "Das sind die, die euren Soli nehmen." Applaus unterbrach immer wieder seine von feinen Spitzen gegen die Union durchzogene Rede. Zwar hatte Plat zeck angekündigt, er wolle Länderregierungschefs nicht allzu hart angehen. Aber passend zum Aschermittwoch forderte er doch vor allem Buße des bayerischen CSU-Kollegen Edmund Stoiber für dessen politische "Sünden".
Kämpferisch trat Platzeck auf. Mit seinen Angriffen auf den "moralischen Verfall" der Manager deutscher Unternehmen riss er die Zuhörer mit. Am Ende der Rede in der bayerischen Bütt standen die Genossen auf und applaudierten mehrere Minuten lang. Platzeck riss die Arme hoch. "Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass er einmal als Kanzler geeignet wäre", sagte Manfred Forst aus Bad Höhenstadt.