Braucht es neuerdings schon Hinweisschilder auf dem Acker? Das mag sich manch Radfahrer fragen, der dieser Tage unterwegs ist. In der Gemeinde Schenkendöbern zum Beispiel. Dort hat Landwirt Steffen Müller in der Ortslage Groß Drewitz am Radweg nach Krayne gemeinsam mit seinem Vater Lothar einen der Pflöcke eingeschlagen, an denen bunte Plakate verkünden: "Wir machen die Landschaft bunt. Blühstreifen … gut für die Natur". Das geht auf eine Initiative des Landesbauernverbandes Brandenburg zurück, der für das Anlegen von Blühstreifen wirbt und dafür mehr Unterstützung vonseiten des Landes fordert. "Brandenburg ist das einzige Bundesland, das Blühstreifen nicht gesondert fördert", sagt Kathrin Brösicke. Sie ist Referentin für Agrarrecht und Agrarsoziales beim Landesbauernverband Brandenburg. Nur im Rahmen des Greenings erhalten Landwirte Unterstützung, wenn sie blühende Pflanzen und Zwischenfrüchte aussäen. Das ist dem Verband zu wenig.

Bewusste Entscheidung zum Verzicht auf Erträge: "Wir können nicht hinnehmen, dass vom Landwirt erwartet wird, mehr für Umwelt und Natur zu leisten, wenn er im Gegenzug auf Erträge und Erlöse verzichten muss. Für Leistungen für die Öffentlichkeit muss auch öffentliches Geld zurückfließen", argumentiert Kathrin Brösicke. Deshalb habe der Verband Ende 2016 die Blühstreifen-Initiative ins Leben gerufen und bei Landwirtschaftsbetrieben um Beteiligung geworben.

"Die Vorlaufzeit ist nötig, denn die Landwirte müssen die Flächen planen und vorbereiten, sprich unkrautfrei machen, das Saatgut kaufen, und die Blühstreifen auch pflegen. Das kostet nicht nur Zeit, die Landwirte verzichten auch bewusst auf Erträge vom Feld und auf Erlöse, denn die Blühstreifen werden auf Ackerflächen angelegt", erklärt sie. Der Aufwand werde in anderen Bundesländern mit Prämien von durchschnittlich 350 Euro pro Hektar ausgeglichen. Ähnliche Unterstützung wünscht sich der Landesbauernverband auch in Brandenburg.

Kassenlage bestimmt Ausgestaltung: Die Bundesländer gehen unterschiedlich mit der Umsetzung der EU-Vorgaben zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) um. Andreas Jahnel, Referent Pflanzenbau, Nachwachsende Rohstoffe und Erneuerbare Energien beim Sächsischen Landesbauernverband, sagt: "Es kommt immer darauf an, welche Mittel das Land hat."

Sachsen hat einen umfangreichen Richtlinienkatalog "Agrarumwelt- und Klimaförderung" aufgelegt. Zu den 19 förderfähigen Maßnahmen und Vorhaben auf Grünland und Ackerflächen in Sachsen gehört auch das Anlegen ein- und mehrjähriger Blühstreifen. Jahnel zufolge ist derlei Förderung "durchaus sinnvoll, denn wir haben in Sachsen sehr viele Grünlandflächen in Gebirgslagen und auch minderwertige Ackerflächen, die beispielsweise als Blühflächen einen höheren Nutzen für Natur und Umwelt schaffen können". Das werde sehr gut angenommen. "Die Antragstellung musste inzwischen eingestellt werden, weil das Programm schon absehbar überzeichnet ist", so Jahnel.

Landwirt schuldet den Erfolg: In Sachsen-Anhalt können im Rahmen der zweiten Säule der Agrarförderung sogar jährlich bis zu 740 Euro Prämie pro Hektar Blühfläche erwartet werden. Das Blühstreifenprogramm ist Teil der Agrarumweltmaßnahmen. Mit diesem Programm werden nicht mehr so stark verbreitete Kultur- und Wildpflanzen angesät, um die Vielfalt in der Agrarlandschaft zu erhöhen. Blühstreifen bieten auch Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Tierarten. Besonders die Honigbiene soll gezielt gefördert werden, aber auch Niederwild und viele andere Insekten. Der Verpflichtungszeitraum beträgt fünf Jahre. Die Zuwendungen werden aus Landesmitteln unter finanzieller Beteiligung von EU und Bund gewährt.

Wie Christian Apprecht, Pressesprecher des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt einschätzt, wird das Programm dennoch "nicht sonderlich angenommen". Denn die Förderung ist an Auflagen gebunden. "Der Landwirt schuldet den Erfolg", sagt Apprecht. Beispiel: Es muss eine gewisse Anzahl von Blühpartnern nachgewiesen werden. "Und wenn dann zum Beispiel im dritten Jahr die Luzerne so dominant ist, dass keine Sonnenblumen mehr hochkommen, dann müssen die Landwirte die Förderung zurückzahlen", schildert er. Zudem werden auf die Förderung aus dem Blühstreifenprogramm auch Greening-Prämien angerechnet. "Wer Greening-Prämien bekommt, kann nicht mit der vollen Förderung aus dem Blühflächenprogramm rechnen."

Greening ist der Überbegriff für Landbewirtschaftungsmethoden, die den Klima- und Umweltschutz fördern und Teil der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU. Folgende Ziele werden damit verfolgt: Mehr Vielfalt beim Anbau und Erhalt von Grünland. Zudem sollen Landwirte einen gewissen Anteil ihrer beihilfefähigen Ackerflächen mit Vorrang für den Umweltschutz nutzen. Zum Beispiel Brachflächen, Hecken oder Feldgehölze, Blühstreifen, Pufferstreifen und Aufforstungsflächen.

Blühhecken statt Blühstreifen? Geht es nach dem Landesbauernverband Brandenburg, ist eine bessere Unterstützung von zusätzlichen Umweltmaßnahmen in der Landwirtschaft, wie das Anlegen von Blühstreifen auf Ackerflächen ähnlich wie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, auch in Brandenburg unabdingbar. Mit der Blühstreifeninitiative verleihen Landwirte und Verband dem Anliegen augenfällig Nachdruck.

Das scheint anzukommen in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. Dem Vernehmen nach wird im Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg bereits über eine gesonderte Förderung außerhalb des Greenings nachgedacht. Der Trend könnte dahin gehen, mehrjährige Bienenweiden, beispielsweise Blühhecken, zu fördern statt einjähriger Blühstreifen.

Zum Thema:
Insgesamt stehen für die Agrarförderung in Deutschland von 2014 bis 2020 jährlich rund 6,3 Milliarden Euro EU-Mittel zur Verfügung. Die EU-Förderung verteilt sich auf zwei Säulen: Aus der ersten Säule finanzieren sich die Direktzahlungen an die Landwirte, die - bei Erfüllung der jeweiligen Voraussetzungen - je Hektar landwirtschaftlicher Fläche gewährt werden. Das macht im Durchschnitt rund 40 Prozent des Einkommens der Betriebe aus. 30 Prozent der Mittel für Direktzahlungen werden - im Rahmen des Greenings - an die Einhaltung bestimmter, dem Klima- und Umweltschutz förderlicher Landbewirtschaftungsmethoden gebunden. Die zweite Säule umfasst gezielte Förderprogramme für die nachhaltige und umweltschonende Bewirtschaftung und die ländliche Entwicklung. Dazu zählen unter anderem Agrarumweltprogramme und die Förderung des ökologischen Landbaus. Für die zweite Säule stehen in Deutschland jährlich rund 1,3 Milliarden Euro an EU-Mitteln zur Verfügung, die mit weiteren nationalen Mitteln kofinanziert werden müssen.