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| 14:43 Uhr

Kriminalität
Bienenraub: Sechs von 40 Völkern sind noch da

Bienen sitzen auf einer Wabe
Bienen sitzen auf einer Wabe FOTO: dpa / Patrick Seeger
Kromlau. Keine heiße Spur gibt es beim Kromlauer Bienendiebstahl. Der betroffene Landwirt spricht von Glück im Unglück. Von Torsten Richter-Zippack

Entsetzen herrscht in Kromlau. Anfang Mai hatten bislang Unbekannte 40 Bienenvölker mit mehr als einer Million Insekten gestohlen. „Eine richtige große Sauerei ist das“, kommentiert der Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack. Mehr will der 63-Jährige dazu nicht sagen.

Die Bienenstöcke sind unweit des Campingplatzes am Kromlauer See mitten aus einem Rapsfeld entwendet worden, erklärt der Görlitzer Polizeisprecher René Krause. Von konkreten Spuren zum Täter wisse er noch nichts. Der aus Polen stammende Imker habe bei Kromlau insgesamt 46 Völker positioniert. „Er besitzt die Genehmigung einer Halbendorfer Landwirtschaftsfirma“, sagt Krause weiter.

„Wir arbeiten mit dem Imker bereits seit mindestens fünf Jahren zusammen“, erinnert sich Olaf Hanusch, Abteilungsleiter Feldbau bei der Prohav Halbendorf mbH & Co. Landwirtschafts KG. „Wir bedauern den Verlust sehr“, so der Landwirt weiter. Dennoch habe sein Unternehmen Glück im Unglück. „Die Rapsblüte sind fast vorbei. Die Bienen haben den größten Teil der Blüten bestäubt. Diesbezügliche Ernteausfälle dürften eher nicht zu befürchten sein.“ Insgesamt habe die Prohav in diesem Jahr auf 180 Hektar Raps angebaut. Auf Spuren des Diebstahls seien die Landwirte nicht gestoßen. Im leichten Sandboden würden entsprechende Hinweise ziemlich schnell verblassen.

„Ich denke, unser Imker wird jetzt seine Völker umverteilen“, prognostiziert Olaf Hanusch. In manchen Jahren sei der Pole, der nicht weit hinter der deutsch-polnischen Grenze wohne, mit über 100 Bienenvölkern in die Kromlauer Gegend gekommen. „Es gab immer gute Absprachen. Ein prima Kerl“, lobt Hanusch.

Laut Polizeisprecher René Krause ist diese Größenordnung eines Diebstahls in der Oberlausitz bislang noch nicht vorgekommen. „Aber hin und wieder wird schon mal ein Volk entwendet“, sagt Krause. Auch Dr. Michael Hardt, Vorsitzender des Landesverbandes Sächsischer Imker, spricht bezüglich des Kromlauer Diebstahls von einem Einzelfall. „Diese kommen neuerdings aber regelmäßiger vor“, erklärt der Experte. Über die Motivation der Täter könne man nur spekulieren. „Allgemein werden Bienenvölker knapper und damit auch teurer“, sagt Michael Hardt. Für die Bestäubung von Blüten seien die Insekten indes nicht verloren. Sie würden an anderer Stelle wieder ausgebracht. „Aber natürlich ist es für denjenigen Landwirt ärgerlich, der den bestohlenen Imker angemietet hat.“ Hardt empfiehlt, die Bienenstöcke mittels Kameras zu überwachen. Darüber hinaus gebe es Techniken, im Falle eines Diebstahls sofort eine Infos aufs Handy zu bekommen. „Dennoch werden sich weitere Straftaten nicht verhindern lassen“, gibt sich Hardt keinen Illusionen hin.