„Der blaue Storch ist wie ein Sechser im Lotto“, sagt Ortsvorsteher Manfred Wilke. In Biegen habe sich seit der Ankunft des Vogels Anfang April einiges getan. So entstand ein Parkplatz und sogar die vor einem Jahr geschlossene Gaststätte steht wieder offen.

Inhaber Martin Pfeiffer hat sein Haus mit dem Namen „Zur süßen Last“ extra für Touristen neu eröffnet. „Das war allein schon nötig, weil die Leute ja auch mal eine Toilette benutzen müssen“, sagt er. Außerdem sei der Storch nicht immer in seinem Nest zu beobachten. Die zum Teil stundenlange Wartezeit können sich die Besucher jetzt auf der Terrasse oder im Restaurant vertreiben. Neben Schnitzeln und Gulasch, Kaffee und Kuchen steht ein „Storchen-Eisbecher“ mit blauem Eis auf der provisorischen Speisekarte.

„Mit meinem Koch kreiere ich derzeit auch warme Gerichte, die zu unserem neuen Dorfbewohner passen“, erzählt Pfeiffer. Dabei sprüht er vor Ideen. So solle eines den Namen „Storchennest“ tragen. Was dabei auf den Teller kommt, stehe aber noch nicht fest. Pfeiffer – im Hauptberuf Tischlermeister – hat noch andere Pläne. Beispielsweise kann er sich eine Informationstafel zur Dorfgeschichte vorstellen. Immerhin habe es in dem 400-Seelen-Ort einmal einen Gutshof gegeben.

Ortsvorsteher Wilke wiederum hat in der Nähe des Storchennestes Bänke aufstellen und eine erste Tafel anbringen lassen, die einiges über Weißstörche und ihre Flugrouten erzählt. Außerdem wurden 500 Postkarten gedruckt. „Die verkaufen sich sehr gut“, berichtet Wilke. Die Einnahmen aus dem Verkauf – eine Karte kostet 1,50 Euro – kämen der Gemeinde zugute. „Wir wollen damit unser Dorffest am 17. Juni mitfinanzieren.“

Summen wie sie der Berliner Zoo einst mit der Vermarktung von Eisbär Knut eingenommen hat, erwartet Wilke indes nicht. Er wolle auch nicht, dass der blaue Storch kommerziellen Zwecken dient. „Wir warten erst einmal ab, wie sich alles entwickelt. Im August fliegt er ja ohnehin wahrscheinlich wieder weg.“

Auch im niedersächsischen Avendorf hat ein ebenfalls blauer Storch sein Nest bezogen. Experten gehen davon aus, dass die Vögel ein Farbbad genommen haben. „Die Langstreckenflieger lieben Zwischenstopps auf Müllkippen, möglicherweise sind sie dort in einer Farblache gelandet“, sagte Biologe Kai Thomsen.