In seiner Münchner Rede vor Staats- und Regierungschefs und Dutzenden Ministern war viel von gemeinsamen Werten, von Zuhören und Zusammenarbeit die Rede: für das Publikum pure Entspannung nach dem fordernden Ton von George W. Bush. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte bei ihrem Auftritt auf der Konferenz das Ende der US-Alleingänge. Und wie zur Antwort versicherte Biden, die USA wollten künftig partnerschaftlich arbeiten - wenn auch mit dem Nachsatz "allein nur, wenn es sein muss". Knackpunkt der Offerte Auch den Kern seiner Botschaft verpackte Biden charmant: Die USA wollten in Zukunft "mehr tun", sagte er - das sei "die gute Nachricht". Seine "schlechte Nachricht" schob er freundlich hinterher: "Amerika wird seine Partner auch um mehr bitten." Für den früheren US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, klar einer der Knackpunkte, die sich in Bidens Worten verstecken: "Obama sagt, wer ernstgenommen werden will, muss auch die Ressourcen bereitstellen." Befürchtungen, Biden könnte von Deutschland und anderen Verbündeten mehr Streitkräfte für Afghanistan fordern, bestätigten sich jedoch vorerst nicht. Die Rede war nur davon, dass die USA und ihre Partner gemeinsam die Verantwortung tragen müssen für den zivilen und militärischen Einsatz am Hindukusch. Konkret wurde er nur, was die Zukunft der Insassen nach der Schließung des US-Gefangenenlagers Guantanamo angeht: Er rief andere Staaten auf, Insassen aufzunehmen. Signale für Wandel Bidens Botschaften im "Bayerischen Hof" lassen sich problemlos als Signale für Wandel und Aufbruch interpretieren - die Adressaten beeilten sich kundzutun, dass sie diese auch so verstehen: Er habe bei Biden viel Neuanfang herausgehört, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Sein Eindruck sei nicht, dass die USA "unzumutbare Forderungen" an die Deutschen richten wollten. In Richtung Moskau verkündete Biden zwar, die USA wollten ihre Raketenabwehr im Prinzip vorantreiben - für die Russen eigentlich ein Alarmsignal, denn sie fühlen sich vom geplanten US-Raketenschild bedroht. Der US-Vizepräsident setzte aber hinzu, zunächst wolle Washington die Bush-Pläne aber auf Funktionsfähigkeit und Kosten hin prüfen. Zugleich warb Biden für einen Neustart im Verhältnis zu Moskau. Selbst für die Iraner hatte Biden Zuckerbrot dabei, freilich auch eine kleine Peitsche. Während Merkel im Streit um das iranische Atomprogramm mit "härteren Sanktionen" drohte, bekräftigte Biden das US-Gesprächsangebot an Teheran - nach drei Jahrzehnten Eiszeit.