Während in Ländern wie Finnland jede Schule eine eigene Bibliothek hat oder an eine örtliche Ausleihe angeschlossen ist, sind das in Deutschland nur zehn Prozent, teilte der Deutsche Bibliothekartag gestern in Dresden mit. Angesichts der vorhandenen Infrastruktur mit rund 12 000 Bibliotheken sei der Verzicht darauf ein "zweifelhafter Luxus". Das Know-how wird nicht abgerufen.
"Die Bibliotheken in Deutschland scheinen einen wenig positiven Stellenwert zu besitzen", sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes Information Bibliothek, Susanne Riedel. Fehlende Wertschätzung drücke sich dabei nicht nur in finanziellen Einschnitten aus. Es würden kaum noch neue Einrichtungen gegründet. "Der Bestand wird gepflegt oder reduziert", beschrieb Riedel das Vorgehen der meisten Träger. Wenn es keine attraktiven Angebote gebe, folge daraus auch ein schwindendes Interesse bei den Besuchern.
Aus Sicht der Bibliothekare gehören ihre Häuser zur "Nahrungskette für Bildungshungrige und Wissensdurstige". Sie würden die Menschen vom Kindergarten bis ins hohe Alter begleiten. "Bibliotheken tun heute mehr, als nur Bücher auszuleihen", sagte Riedel. Als Beleg nannte sie die Vielfalt an Medien, Arbeitsmöglichkeiten am Computer vor Ort und das Vermitteln von Medien- und Informationskompetenz. Die Nutzung der rund 9000 öffentlichen Bibliotheken habe 2005 zugenommen. Insgesamt wurden rund 110 Millionen "Besuche" (2004: 102 Millionen) direkt vor Ort oder von "virtuellen Kunden" registriert.
Der 95. Deutsche Bibliothekartag wurde gestern Abend in Dresden eröffnet. (dpa/mb)