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Bialowieza-Urwald weiter in Gefahr

Auch in Polen gehen immer wieder Naturschützer auf die Straße, um gegen die Rodungen im Unesco-Weltnaturerbe Bialowieza zu protestieren.
Auch in Polen gehen immer wieder Naturschützer auf die Straße, um gegen die Rodungen im Unesco-Weltnaturerbe Bialowieza zu protestieren. FOTO: dpa
Brüssel. Angesichts von Berichten über illegale Abholzungen in einem der letzten europäischen Urwaldgebiete droht die EU-Kommission Polen mit Konsequenzen. Sollte sich bestätigen, dass im Bialowieza-Wald weiter Bäume gefällt werden, dann verstieße die Warschauer Regierung gegen eine Anordnung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde in dieser Woche. dpa/uf

In diesem Fall solle das bereits wegen Auflagen für die Justiz laufende Rechtsstaatlichkeitsverfahren gegen die Warschauer Regierung ausgeweitet werden. Theoretisch könnte dies bis zu einem Entzug der Stimmrechte führen. "Es geht hier um eine juristische Anordnung, an die sich alle Mitgliedstaaten halten müssen", sagte die Sprecherin. "Polen wird seine Haltung vor dem Gerichtshof erklären müssen." Der EuGH hatte am vergangenen Donnerstag verfügt, dass im Wald von Bialowieza vorerst keine Bäume mehr im großen Stil gefällt werden dürfen.

Der Bialowieza-Urwald in Polen ist ein Natura-2000-Naturschutzgebiet. Die EU-Kommission hatte die Warschauer Regierung deshalb im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens ultimativ aufgefordert, keinen großflächigen Holzeinschlag zuzulassen. Da sich Polen nicht daran hielt, verklagte die EU-Kommission das Land vor dem EuGH und verlangte eine einstweilige Anordnung. Diesem Wunsch sind die obersten Richter der EU nachgekommen. Ein Urteil wird aber erst später fallen. Die polnische Regierung hatte den Holzeinschlag in der Vergangenheit laut EU-Kommission mit dem Kampf gegen den Borkenkäfer und der Sicherheit der Allgemeinheit begründet.

Der Bialowieza Nationalpark liegt in der Provinz Podlachien im Osten Polens an der Grenze zu Weißrussland. Er ist rund 10 000 Hektar groß, die streng geschützte Kernzone - der eigentliche Urwald - umfasst jedoch nur rund 4800 Hektar.