Serge ist Anfang 50 und geschieden. Seit zwei Jahren lebt er in der Nähe von Paris mit seiner neuen Partnerin Maria zusammen, doch heiraten wollen die beiden nicht - vorerst zumindest. "Ich halte die Ehe für eine altertümliche, überholte Einrichtung", sagt der Vater von drei Kindern. Für ihn ist deshalb in der neuen Beziehung auch eine neue Beziehungsform angesagt: der PACS. Der zivile Solidaritätspakt ist nach Ansicht von Serge unkompliziert und deshalb deutlich zeitgemäßer. Zwei Menschen desselben oder unterschiedlichen Geschlechts gehen zum Amtsgericht und lassen ihre Verbindung dort eintragen. "Pacsen" heißt das in Frankreich und das Wort ist jedem genauso geläufig wie heiraten.

Die Partner verpflichten sich dabei zur Solidarität miteinander. Das heißt auch, sich im Falle von Krankheit oder Arbeitslosigkeit zu helfen und finanziell füreinander einzustehen. In Steuerfragen und in der Sozialversicherung sind die Paare den Verheirateten gleichgestellt. Die Güter bleiben dagegen in der Regel getrennt und auch auf die Kinder der Partner hat der PACS keinen Einfluss - ein Plus für alle Patchwork-Familien. Dabei war die entschlackte Form der Ehe eigentlich gar nicht für Fälle wie den von Serge und Maria gedacht, sondern in erster Linie für homosexuelle Paare.

Anfangs großer Protest gegen den PACS

Als die damalige sozialistische Regierung den Solidaritätspakt 1999 einführte, wollte sie Schwulen und Lesben die Möglichkeit geben, beurkundet zusammenzuleben und so abgesichert zu sein. Der Protest konservativer und katholischer Kreise war damals groß. Rund 100.000 Menschen gingen für die traditionelle Ehe und Familie auf die Straße - ähnlich wie 14 Jahre später gegen die Homo-Ehe, die seit 2013 in Frankreich erlaubt ist.

"Als Braut bist Du hübsch, als PACS-Partnerin bist du Abfall", lautete damals einer der Slogans. Gegner wie die konservative Politikerin Christine Boutin kritisierten, dass Frauen im Falle einer Trennung die Absicherung fehle. In der Tat ist die Auflösung der eingetragenen Lebenspartnerschaft ganz einfach mit einem Brief ans Amtsgericht erledigt, ohne dass damit irgendwelche weiteren Verpflichtungen verbunden sind. Für Leute wie Serge, der eine teure Scheidung hinter sich hat, ist das allerdings ein Plus.

Erfolgsmodell für heterosexuelle Paare

Die neue Art des offiziellen Zusammenlebens zieht deutlich mehr heterosexuelle als homosexuelle Paare an. Von den 162.000 Paaren, die sich 2013 "pacsten", waren nur rund fünf Prozent homosexuell. "Der PACS macht die Homosexualität zur Norm", warnte Boutin als Sprecherin der PACS-Gegner 1998 in der Nationalversammlung. Jahre später musste sie zugeben, dass sie selbst vom Erfolg der Lebensform für Heterosexuelle überrascht wurde.

Im Gegensatz zur Ehe, die 2013 mit nur noch gut 231.000 Hochzeiten ihren Tiefpunkt erreichte, erfreut sich der PACS großer Beliebtheit. Immerhin 41 Prozent, also fast die Hälfte der Paare, entscheidet sich für die eingetragene Lebenspartnerschaft. Und Gesetzesänderungen erweitern die Rechte der Partner und machen die Institution so noch attraktiver: so erhält neuerdings im Falle eines tödlichen Arbeitsunfalls der "verpacste" Hinterbliebene dieselbe Rente wie ein Verheirateter.

In einem Punkt ist der PACS der Hochzeit allerdings unterlegen: eine Feier gibt es in der Regel nicht. "Wir sind morgens aufs Amtsgericht gegangen und hinterher zur Arbeit", erinnert sich die Mittdreißigerin Stéphanie an ihren PACS-Tag. Ganz so prosaisch soll es bei Serge und Maria allerdings nicht zugehen. Wenn die beiden wie geplant im Herbst "pacsen", wollen sie hinterher ein kleines Fest feiern. Keine große Hochzeitsfeier, sondern einfach eine "PACS-Party" - ganz unkompliziert.