Schauspieler Johannes Kienast fegt seinen Grünebaum-Preis vor Aufregung fast vom Pult. Wirtschaftsmathematikerin Dr. Sarah Frost und Informatiker Dr. rer. nat. Martin Schwarick vergessen ihn beinahe mitzunehmen. Dieser Vormittag steckt voller Emotionen und stachelt die Neugier an, wie es der Vorstandsvorsitzende der Max-Grünebaum-Stiftung, Prof. Dr. Claus Lambrecht, zur Begrüßung verspricht. Gerade in diesen Zeiten des Wandels biete die Preisverleihung eine Chance, einander näherzukommen. Und so heißt er besonders die Nachfahren von Max Grünebaum willkommen: seine Urenkel, Bauingenieur Dr. John Gumbel, sowie Aubrey Newman, der als Architekt in London arbeitet, sowie Gumbels Frau, die Architektin Fernanda Gumbel.

Beim anschließenden Sektempfang wird sie voller Freude Bo-Kyoung Kim in die Arme schließen. Sie hatte hier im vergangenen Jahr einen Sonderpreis gewonnen, der sie nach England führte, wo sie von der Stifterfamilie liebevoll betreut wurde. Wie die anderen Vorjahrespreisträger bedankt sich die Solorepetitorin an diesem Vormittag mit einem künstlerischen Beitrag. Stefan Kulhawec tanzt mit dem Ballettensemble zu "Stabat Mater" von Giovanni Pergolesi, es singt der Opernchor. Das Philharmonische Orchester mit seinem Generalmusikdirektor Evan Christ sorgt für wundervolle Bachklänge.

Schon am Abend zuvor saß die Stifterfamilie, wie einst der Tuchfabrikant Max Grünebaum, in der Loge des Großen Hauses und genoss die Premiere der Oper "Die Favoritin".

Am Morgen danach also die Preisverleihung, die Zeichen der Verständigung und Versöhnung setzt, wie Schauspieldirektor Mario Holetzeck betont, bevor er den Schauspieler Johannes Kienast in den Mittelpunkt rückt und davon erzählt, wie dieser, kaum am Staatstheater gelandet, sich um die Rolle des Hamlet bewarb. Vorerst gelang es dem jungen Mimen in anderen Rollen zu zeigen, was in ihm steckt. "Ein großes Talent mit weiterem Entwicklungspotenzial", befindet der Schauspieldirektor und verkündet: "Den Hamlet spielt er nun auch."

Ein Hohelied auf Mehrspartenprojekte hält der Geschäftsführende Direktor des Staatstheaters, Dr. Martin Roeder, in der Laudatio für Schauspielerin und Tänzerin Ariadne Pabst. Als Teil einer Theaterfamilie habe sie die private Mehrspartentradition fortgesetzt und beim Mehrspartenprojekt "Der Zauberer von Oss" als Dorothy die Vogelscheuche in Gestalt von Hardy Brachmann auch privat in ihr Herz gelassen. Und nun hat sie mit ihm, der im Jahre 2000 Max-Grünebaum-Preisträger wurde, gleich zwei Grünebäume zu Hause.

Intendant Martin Schüler freut sich über den Karl-Newman-Förderpreis für Maskenbildnerin Andrea Braun: "Sie ist eine fantasievolle Verwandlungskünstlerin." BTU-Präsident Prof. Dr. Jörg Steinbach schildert die Hartnäckigkeit des ausgezeichneten Nachwuchswissenschaftlers Dr. Martin Schwarick, der im Elbe-Elster-Kreis zu Hause ist. Ein Sonderpreis ermöglicht Sascha Krauz, in einem Auslandssemester in Schottland wandelbare Energien - und nebenbei seine zweite Leidenschaft - den Fußball zu studieren. Bewegt hält die Spremberger Wirtschaftsmathematikerin Sarah Frost den Preis in der Hand: "Ich hoffe, mein Unternehmen genauso gut zu führen wie einst Max Grünebaum."

Zum Thema:
Zurück geht dieser Preis auf den Tuchfabrikanten, Kommerzienrat und Ehrenbürger der Stadt Cottbus Max Grünebaum (1851 bis 1925), der als erfolgreicher Unternehmer in seiner Heimat soziales Engagement und Mäzenatentum in einer vorbildlichen Weise verband und zeitlebens das Cottbuser Theater großzügig förderte. Seine Nachfahren mussten, als Juden verfolgt von den Nazis, Deutschland verlassen.

Zum Thema:
In Erinnerung an das Wirken von Max Grünebaum errichteten die in England lebenden Enkel im Mai 1997 die Max-Grünebaum-Stiftung, mit der sie Brücken bauen wollen zwischen Cottbus und England. In die Stiftung flossen Entschädigungsleistungen in Höhe von damals 2,2 Millionen DM ein. Der Max-Grünebaum-Preis ist mit jeweils 5000 Euro dotiert.