Denn Peres ist nicht nur vital und rüstig, sondern träumt noch von der Zukunft; vom Frieden im Nahen Osten und von ebenso ehrgeizigen wie umstrittenen Projekten wie einer Verbindung zwischen dem Roten und dem Toten Meer. Peres hat viel Auf und Ab sowie Bewunderung und Kritik erlebt. Heute wird er weltweit als großer Staatsmann respektiert. Morgen feiert Schimon Peres seinen 85. Geburtstag.
Peres wurde nach hebräischen Kalender am 20. Av 5683 (2. August 1923) als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ostpolen geboren. Heute gehört er zu den letzten Vertretern der Gründergeneration des Staates Israels. "Es gibt keinen anderen Politiker in Israel, der so kontrovers ist, der grenzenlose Bewunderung einerseits und scharfe Kritik andererseits vereint", schreibt Biograf Michael Zohar.
Von 1959 bis zur Präsidentenwahl 2007 saß Peres bis auf eine kurze Unterbrechung im Parlament - so lange wie kein anderer aktiver Politiker in Israel. Peres war stets facettenreich. Zum einen ist er der "Vater" des israelischen Atomprogramms. Zum anderen unterstützte er am Anfang den Bau jüdischer Siedlungen im Westjordanland, um sich später von den Siedlern abzuwenden.
Israel und die Welt haben Peres oft mit unterschiedlichen Augen gesehen und beurteilt. Wegen seiner zahlreichen Ministerämter und wegen seiner Friedensvisionen genoss Peres im Ausland hohe Anerkennung. Dagegen schlug ihm im eigenen Land oft unverhohlene Verachtung entgegen, obwohl er zeit seines Lebens die Geschicke Israels in führenden Positionen mitbestimmt hat. Die Friedensabkommen von Oslo mit den Palästinensern, für die er 1994 gemeinsam mit Izchak Rabin und Palästinenserführer Jassir Arafat den Friedensnobelpreis erhielt, entpuppten sich wenige Jahre später als Makulatur. Israelis beschimpften die Oslo-Autoren wegen der blutigen Gewalt nach Ausbruch der Intifada im September 2000 als Vaterlandsverräter. Auch das Strippenziehen kam in Israel nicht gut an. Sein langjähriger Erzrivale Rabin nannte ihn einen "unermüdlichen Intriganten", dem jedes Mittel recht sei, um an die Macht zu kommen.
Als Präsident erlebte Peres seine Sternstunde, als Israel im Mai den 60. Jahrestag feierte und er Staatsgäste aus aller Welt empfangen konnte. Die schwierigste Entscheidung seit seiner Amtsübernahme liegt zwei Wochen zurück, als er im Rahmen eines Gefangenenaustausches mit der libanesischen Hisbollah-Miliz den Terroristen Samir Kuntar begnadigen musste. "Ich werde weder verzeihen noch vergessen", sagte Peres.