Moritz M. ist krank. Zu diesem Schluss kamen in den zurückliegenden Monaten mehrere Ärzte und auch der psychiatrische Gutachter, den das Cottbuser Landgericht zur Beurteilung des heute 22-Jährigen bestellt hatte. Er leidet an einer "paranoiden Schizophrenie". Im Zustand einer akuten Psychose war der Mann Ende Februar zuerst auf der Autobahn A 15 zum Verkehrsrowdy geworden und schließlich auch zum Räuber und Geisterfahrer.

Verurteilt wurde Moritz M. wegen all dieser schweren Straftaten jetzt aber nicht. Denn auch den Anklägern der Staatsanwaltschaft in Cottbus, die sich mit dem Fall beschäftigten, war relativ schnell klar, dass der Mann, dem all das vorgeworfen wurde, im herkömmlichen Sinne nicht abgeurteilt werden kann. Sie gingen von einer Schuldunfähigkeit während der Tatzeit aus.

Die Cottbuser Richter mussten klären, ob der junge Mann langfristig in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden muss. Das war nicht so eindeutig, wie es ein Blick auf seine unglaublichen Taten vermuten lässt.

Der Mann, der seit Ende Januar auf der Anklagebank saß, wirkt ruhig und unauffällig. Gleich am ersten Verhandlungstag hatte er sich entschuldigt und glaubhaft beteuert, am Tattag nicht Herr seiner Sinne gewesen zu sein. Er habe geglaubt, den Sohn seiner Schwester in Berlin vor einer brutalen Rockerbande retten zu müssen. Bei seiner Fahrt von seiner Heimatstadt im Rheinland in die Hauptstadt habe er sich außerdem noch von "Organhändlern" verfolgt gefühlt.

Was für gesunde Menschen völlig absurd klingt, war für Moritz M. Realität an diesem Februartag des Jahres 2015. Der psychiatrische Gutachter bestätigte im Verfahren diese Art von Wahnvorstellungen bei einer paranoiden Schizophrenie.

Die Irrfahrt von Moritz M. endete auf der A 15 in der Nähe von Königs Wusterhausen. Davor hatte er Unfälle mit mehreren Autos provoziert und dabei ein Ehepaar aus Berlin, das mit seinem Kleinwagen gerade auf die Autobahn fahren wollten, regelrecht von der Fahrbahn geschossen. Das Fahrzeug überschlug sich an die 20-mal. Die beiden Insassen wurden schwer verletzt. "Es war reines Glück, dass es dabei keine Toten gab", sagte der Richter am Dienstag in der Urteilsbegründung.

Am Ende wurde Moritz M. zur Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik verurteilt. Gleichzeitig aber wurde diese unter strengen Auflagen zur Bewährung ausgesetzt.

Moritz M. muss sich künftig jeden Monat in zwei verschiedenen Kliniken untersuchen lassen. Gleichzeitig muss er mit einem Bewährungshelfer eng zusammenarbeiten. Er wird wieder bei seinem Vater im Rheinland wohnen und darf dort auch nicht ohne Weiteres wegziehen. Dass ihm der Führerschein entzogen wird, ist eine Selbstverständlichkeit und Petitesse.

Hauptgrund für die Bewährung ist nach Angaben der Richter die Tatsache, dass der Beschuldigte unter kontrolliertem Medikamenteneinsatz nach menschlichem Ermessen ungefährlich sei. Auch in einer Fachklinik könne sein derzeit stabiler Zustand nicht noch weiter verbessert werden.

Mit der Bewährungszeit und der gleichzeitig sehr engmaschigen Überwachung will das Gericht erproben, ob M. in der Lage ist, die medikamentöse Einstellung selbstständig zu erhalten und sich bei akuten Veränderungen selbst in ärztliche Behandlung zu begeben.